Mittwoch, 16. August 2017

Ausgehend von der Annahme, dass kriminelle Handlungen die unmittelbare Befriedigung von Bedürfnissen ermöglichen, postulieren Gottfredson und Hirschi (1990) Unterschiede in der Ausprägung von Selbstkontrolle, welche darüber entscheiden, ob nur illegitim zu verwirklichende Wünsche unmittelbar auf kriminellem Weg in die Tat umgesetzt werden. Personen mit hoher Selbstkontrolle besäßen die Fähigkeit zum Bedürfnisaufschub sowie eine größere Resistenz gegenüber äußeren Stimuli zu abweichendem Verhalten, wohingegen Personen mit niedriger Selbstkontrolle leicht durch ihre Umwelt zu devianten Verhaltensweisen verleitet werden könnten und bei ihnen aufgrund einer starken Gegenwartsorientierung sowie einer geringen Frustrationstoleranz die Tendenz zur unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung vorherrsche. Der Begriff der Selbstkontrolle bezieht sich dabei nach Gottfredson und Hirschi auf Faktoren, die mit den antizipierten Konsequenzen einer Handlung in Verbindung stehen. Sie betrachten damit kriminelles Verhalten nicht als erlernt oder direkt durch Sozialisationsdefizite verursacht, führen Unterschiede in der Ausprägung von Selbstkontrolle jedoch auf Unterschiede in der Sozialisation zurück. Dabei machen sie spezifische Faktoren oder Umstände aus, welche die Entwicklung von Selbstkontrolle bedingen. Die Hauptursache für fehlende Selbstkontrolle sehen die Autoren in ineffektiver Erziehung. Um Selbstkontrolle zu erlernen, müssen nach Gottfredson und Hirschi mindestens folgende Bedingungen erfüllt sein: 1. das Verhalten des Kindes muss kontrolliert werden, 2. wenn deviantes Verhalten des Kindes auftritt, muss es als solches wahrgenommen und 3. bestraft werden. Insofern sieht die Kontrolltheorie Kriminalität zwar nicht unmittelbar als Produkt der Sozialisation, aber als Folge im Rahmen der Sozialisation unzureichend entwickelter Selbstkontrolle.
in unserer Mediengesellschaft sind es immer wieder extraordinäre Einzelereignisse oder Daten, die kurzfristig die Sensibilität für gewisse Themen bzw. Tatbestände sozialer Ausgrenzung wecken, ohne dass diese allerdings nachhaltig die Politik verändern würden.
Da kommt ein Kleinkind zu Tode, weil die Eltern ganz offensichtlich überfordert waren mit der Erziehung und Fürsorge; soziale Einrichtungen wie die Gesamtfamilie, Nachbarschaft und öffentliche Einrichtungen müssen gestehen, auch sie haben die Zusammenhänge in seiner Tragweite nicht richtig eingeschätzt.
Daneben rütteln Meldungen auf, Kinder kämen verstärkt in die Schule, ohne gefrühstückt zu haben. Die Teilnahme an Klassenausflügen und Klassenfahrten sei heute mehr als früher aus finanziellen Gründen in Frage gestellt. Ca. zehn Prozent der schulpflichtigen Kinder kommen derzeit nicht ihrer Schulpflicht nach. Nach Versuchen mit polizeilichen Maßnahmen dagegen vorzugehen, sollen nun sozialpädagogische Projekte und Eingliederungsmaßnahmen Abhilfe schaffen. Nicht nur in Berlin gibt es sie, die Straßenkinder mit z.T. nur noch sporadischem Kontakt zur meist zerrütteten Herkunftsfamilie, sich fern ab der gesellschaftlichen Werten und Normen in prekären Subkulturen einrichtend. Kommt dann noch Gewalt hinzu, kennt der ehemalige hessische Ministerpräsident Koch sogleich die Mittel zur Abhilfe. Nicht Kuschelpädagogik, sondern Jugendknast, und das gleich 15 Jahre lang!
quelle: Prof. Dr. h.c.. Christian Lukas-Altenburg
Im Dschungel der Justiz Chance oder Untergang Bd.3

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