Dienstag, 28. Februar 2017

Eltern können ihren Söhnen helfen, den Sprung aus einer verspielten Kindheit ins Erwachsenendasein mit Freude zu schaffen und diese Gewinnen damit. Also, ich gebe zu: das mit der Freude war nicht so ernst gemeint und was den Gewinn angeht, habe ich einfach gelogen.
Eltern haben jedoch gute Möglichkeiten, ihren Söhnen zu helfen, den Sprung aus einer verspielten Kindheit in das Erwachsenendasein zu schaffen.
In einem kürzlich publizierten Beitrag habe ich die vielfältigen Berichte über schlechte Ausbildungs- und Berufsleistungen von Jungen im Vergleich zu Mädchen kommentiert und auf die wachsende Sorge hingewiesen, dass viele Jungen in einer Gedankenwelt der Pornographie, des Sports und der Videospiele gefangen sind.
Das soziale Umfeld hat sich in fataler Weise verändert und junge Männer, die einst den „wilden Westen“ besiedelten und die robuste Wirtschaft unseres Landes aufbauten, sitzen heute gelangweilt in Klassenzimmern oder Bürocontainern. Das Bedürfnis des Mannes, sich zu bewähren, um unabhängig zu werden, wird nicht gestillt, wenn er im Fernsehen den Ballspielen seiner Nationalhelden zuschaut. Und, obwohl es vielleicht schon für den Hasch– und Bier–abhängigen Schwager nicht mehr möglich ist, sich zu ändern, kann man doch eine Menge tun, dieses Schicksal den heranwachsenden Jungen zu ersparen.
Das Kind liebender und nüchterner Eltern erscheint als Inkarnation des Teufels. Ich erwähne dies hier, denn obwohl ich selbst nie einem wirklich durch und durch bösartigen Kind begegnet bin, kenne ich doch gute Eltern, deren Kinder geradezu Tefloneigenschaften zu besitzen scheinen, an denen alle guten Einflüsse ihres Umfelds wirkungslos ablaufen. In ihrem Drang, sich selbst zu verwirklichen, sehen sie ihre Eltern als Feinde, die es zu bekämpfen gilt.
Es gibt sicher eine Reihe Teenager-Monster, die sich zu egomanischen Menschenfressern entwickeln, doch durchläuft eine große Zahl eine erstaunliche Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling, wenn sie erwachsen werden. In der Zwischenzeit wurden die Eltern jedoch durch
die verschiedenen Abgründe von Dante’s Inferno getrieben.
Es gibt keine universal gültigen Regeln für die Kindererziehung. Empfehlungen, ja; eiserne Regeln, nein.
Es muss klar sein, dass die Erziehung eines Kindes die oberste Priorität für die Eltern hat, besonders dann, wenn das Kind ein Junge ist. Ob der Nachwuchs geplant war oder nicht, spielt hier keine Rolle. Wenn ein Kind ankommt, muss ihm die Spitzenposition in der Familie zukommen. Seine Erziehung ist wichtiger, als berufliche Karrieren von Vater und Mutter, wichtiger als ihre Liebesbeziehung, als Freundschaften und natürlich als Sport, Erholung und Vergnügen. Es geht nicht darum, diese Aktivitäten aufzugeben,
sondern sie den neuen Verantwortlichkeiten unterzuordnen.
Viele Eltern verbringen einen nicht geringen Teil ihres Lebens als Chauffeure ohne Uniform, die ihre Kinder zur Schule und zum Sport, zu Übungsstunden und zum Zahnarzt fahren. Solche gemeinsamen Fahrten, Vater oder Mutter allein mit dem Kind, bieten hervorragende Gelegenheiten zu reden.
Statt Radio zu hören und zuzusehen, wie der Sohn mit flinken Fingern nach passender Musik sucht, oder allein mit seinem iPod in seinen Lieblingssound abtaucht, kann Vater/Mutter solche Fahrten zu Gelegenheiten unbeschwerter Konversation werden lassen, bei der es mehr aufs Zuhören, als auf Belehrung ankommt. Hier besteht eine gute Chance herauszufinden, was dem Kind
gefällt und wo ihn der Schuh drückt.
Das einzige Problem bei der Suche nach dem, was zwischen den Ohren des Sohnes gerade wichtig ist, ist, dass es zeitkritische Ereignisse sind. Wenn man meint, die Gefühlslage des Kindes verstanden zu haben, verwandelt es sich vielleicht in eine völlig andere Person. Die eigene Vorstellung über ein Kind korrigieren und anpassen zu können, ist eine häufig unterschätzte, aber wichtige elterliche Überlebenstechnik.
Cover: Die Tragik im Leben eines Kindes
Christian Lukas-Altenburg 2017

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