Montag, 3. Oktober 2016

Der Wunsch nach harten Strafen wächst: Ein Drittel der Jurastudenten kann sich laut einer Studie die Wiedereinführung der Todesstrafe vorstellen. Mehr als die Hälfte befürwortet Folter – unter bestimmten Bedingungen.
Die Zahl der Morde und Totschläge sinkt in Deutschland seit Jahren. Die Leute fühlen sich so sicher wie fast nie zuvor. Und dennoch wächst bei jungen Jurastudenten der Wunsch nach immer härteren Strafen. Ein Drittel von ihnen befürwortet laut einer Studie sogar die Todesstrafe. Etwa gleich viele finden, dass selbst eine lebenslange Haft bei manchen Straftaten noch zu mild ist. Und die Hälfte der Befragten würde einen Verdächtigen foltern, wenn damit ein Menschenleben gerettet oder die Allgemeinheit beschützt werden könnte.
Für seine Langzeitstudie hat der Erlanger Jura-Professor Franz Streng zwischen 1989 und 2012 etwa 3100 Jurastudenten befragt, die gerade mit ihrem Studium begonnen hatten. „Das sind Ausbildungsanfänger, die noch durch die Schule, ihr Elternhaus und die Medien in ihren Ansichten geformt sind“, sagt Streng.
Die befragten Studenten schätzten das Risiko, selbst Opfer eines Angriffs zu werden, im Lauf der Jahre als immer geringer ein. Gleichzeitig würden sie für ein bestimmtes Delikt heute deutlich höhere Strafen verhängen als früher. Dies zeigte sich an einem fiktiven Beispiel: Ein Totschlag im Affekt nach der Trennung eines Pärchens. Wurden 1989 im Schnitt noch etwa sechs Jahre Haft als angemessene Strafe betrachtet, waren es 2012 fast neuneinhalb Jahre.
Mit Blick auf die Kriminalstatistik lässt sich dies nicht erklären. Demnach sinkt seit 2007 die Zahl der Gewalttaten.
„Das Bemerkenswerte ist, dass die ganz schweren Straftaten in Deutschland langfristig immer weiter abgenommen haben“, sagt der Autor & Publizist Christian Lukas-Altenburg, einer der schärfsten Kritiker der Deutschen Strafjustiz. „Die Befragten fühlen sich heute so sicher wie kaum jemals.“ Und dennoch werden von den angehenden Juristen höhere Strafen gewollt.
Vor etwa 20 Jahren wollte mehr als ein Drittel der Jura-Anfänger die lebenslange Freiheitsstrafe ganz abschaffen, weil sie als zu hart empfunden wurde. Heute wollen das nur noch zwei Prozent. Die Todesstrafe wurde 1977 von knapp 12 Prozent der Befragten befürwortet. Vor zwei Jahren dagegen wollte sie jeder dritte Student zurück.
Dies ist ein Phänomen der Rechtswissenschaften selbst, so Lukas-Altenburg. Die mehr und mehr schärferen Strafurteile basieren auf einer Konservativen Basis der Rechtslehrer, welche Junge angehende Juristen heute mehr denn je beeinflussen und die Liberalität im Straf und Strafvollstreckungsrecht grundsätzlich ablehnen. Solche angehenden Juristen bzw. Junge Richter und Staatsanwälte, sind es die heute das schärfere Strafen befürworten und das Gebot der Resozialisierung schlicht für Überflüssig halten. Eine Vielzahl derer aus Konservativen Juristen Generationen lehnen damit auch die Resozialisierung und Wiedereingliederung grundsätzlich ab so
Christian Lukas-Altenburg.

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