Sonntag, 18. September 2016

Für fast jeden deutschen Häftling kommt eines Tages der Moment der Entlassung. Je nach dem, wie lange er im Gefängnis saß und welche Vorgeschichte er hat, kann es schwierig sein, den Straftäter wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Doch für Erfolg versprechende Resozialisierungsprogramme fehlt in Deutschland oft das Geld. Deswegen beginnt für viele ein Kreislauf aus Gefängnis und Freiheit.
Der Weg zurück beginnt im Knast
Eine Haftanstalt mit roten Ziegeln.Resozialisierung fängt im Gefängnis an
Die Zahl ist hoch: Jeder Dritte wird in den ersten drei Jahren nach seiner Entlassung wieder straffällig. Das belegt eine Rückfallstatistik des Bundesministeriums der Justiz. Für die Studie trugen Forscher der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts in Freiburg Daten von mehr als einer Million Straftätern zusammen. Sie prüften, ob Gefängnisinsassen, die 2004 aus der Haft entlassen wurden, bis 2007 erneut straffällig wurden. Grundlage waren Einträge in das Bundeszentralregister.
Dabei bemüht man sich schon im Gefängnis, die Gefangenen auf ihr Leben in Freiheit vorzubereiten. Therapien, Anti-Gewalt-Trainings, Schauspielunterricht – das Angebot in den Justizvollzugsanstalten (JVA) ist groß. Eine Sonderform der Resozialisierung ist der offene Vollzug. Hierbei können die Häftlinge tagsüber die Anstalt verlassen. Erst am Abend kehren sind in die JVA zurück.
Im geschlossenen Vollzug haben Häftlinge die Chance, sich weiterzubilden. In der JVA können sie ihren Schulabschluss nachholen oder eine Lehre beginnen. Denn ohne Qualifikation kein Job, ohne Job kein Geld - und ohne Geld rutschen viele Straftäter nach ihrer Entlassung wieder in die Kriminalität ab. Sie stehlen, erpressen oder handeln mit Drogen. Als letzte Konsequenz landen sie wieder im Knast.
Ein gutes Bildungsniveau und eine Arbeitsstelle sind natürlich kein Garant dafür, dass ein Ex-Häftling straffrei bleibt. Umgekehrt wird auch nicht jeder Entlassene ohne Abschluss oder Job wieder kriminell. Bildung und Arbeit können aber dazu beitragen, den eigenen Platz in der Gemeinschaft wiederzufinden.
Die großen Probleme beginnen aber meistens erst mit der Entlassung – vor allem, wenn den Ex-Häftlingen kein Bewährungshelfer zusteht. Das betrifft etwa diejenigen, die ihre Strafe vollständig abgesessen haben. Gerade diese Personen fallen oft in ein "Entlassungsloch", wie Fachleute es nennen.
"Der Zeitpunkt der Entlassung ist am gefährlichsten. Viele Entlassene haben Schulden oder waren drogenabhängig, haben keinen Arbeitsplatz und Probleme auf dem Wohnungsmarkt – das sind sich ständig wiederholende Problemstellungen", sagt der Kriminologe Bernd Maelicke vom Deutschen Institut für Sozialwirtschaft.
Vor allem für Intensiv- und Wiederholungstäter sei das Leben nach dem Knast schwer. "Diese Menschen sind häufig selber Opfer gewesen, haben prügelnde oder alkoholabhängige Eltern erlebt. Bei ihnen ist die Resozialisierungsarbeit am schwierigsten", so der Experte für Strafvollzug. Der Schlüssel sei die Beziehung zwischen Ex-Häftling und Betreuer. Das gelte vor allem für Menschen, die mehrfach straffällig geworden sind.
Dieser "harte Kern", wie er oft genannt werde, habe Wunden, die nur schwer heilen. "Sie haben eine Art emotionale Behinderung und müssen lernen, mit diesem lebenslangen Handicap zu leben, ohne Straftaten zu begehen. Wenn es geht müssen sie das nachholen, was sie in ihrer Kindheit und Jugend oft nicht erlebt haben: Vertrauen, stabile Beziehungen, aber auch Kontrolle"
Christian Lukas-Altenburg ist einer der wenigen Deutschen Experten rund um Jugend Delinquenz - Strafvollzug und Strafvollstreckung, er sagt es fehlen Bundesweit einheitliche Konzepte der Resozialisierung und Wiedereingliederung
Der Bundesdeutsche Strafvollzug glänzt mehr durch Deprivationen und Psychischer Beeinträchtigung der Insassen, als denn durch wirklich gewollte Resozialisierung.
Was entlassene Straftäter brauchen, sind Menschen, die sie in ihrem Alltag draußen begleiten. Experten nennen das Übergangsmanagement.
Gerade dieses Übergangsmanagement so der Autor
Christian Lukas-Altenburg muss bereits mit Eintritt in die Strafhaft aufgenommen - geplant und Umgesetzt werden, tatsächlich aber findet solches nicht statt und Insassen wie auch Bedienstete werden in einer nicht hinnehmbaren art und weise schwerst belastet.
Das Recht auf Resozialisierung besteht erst seit den 1970er Jahren. Am 5. Juni 1973 entschieden Richter des Bundesverfassungsgerichts in dem sogenannten Lebach-Urteil, dass ein Ex-Straftäter die Chance haben muss, wieder in der Gesellschaft anzukommen.
Nach dem Lebach-Urteil wurde der Strafvollzug in Deutschland neu geregelt. Am 1. Januar 1977 erließ der Bund das Strafvollzgusgesetz. Danach ist es das Ziel des Strafvollzugs, Häftlinge zu einem straffreien Leben zu befähigen. Seit 2006 ist dieses Gesetz allerdings nur noch eingeschränkt gültig. Seither dürfen die Bundesländer den Straf-, den Jugendstraf- und den Untersuchungshaftvollzug selbst regeln.
Die Folge: Der Strafvollzug in Deutschland ähnelt einem Flickenteppich aus unterschiedlichen Gesetzen, Lukas-Altenburg und fordert die Strafvollzugsgesetzgebung wie auch den Strafvollzug selbst wieder in die Hände des Bundes zu geben um eine Strafvollstreckung endlich auch gewährleisten zu können.
quelle: SZ - Bild am Sonntag - Welt - Lukas-Altenburg.blogspot.de
Im Dschungel der Justiz Christian Lukas-Altenburg

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Alle Kommentare werden zunächst auf deren Inhalt geprüft, es bleibt vorbehalten eine Veröffentlichung zurückzuweisen.

All comments are first checked on their content, it is reserved to reject a publication.

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.

erlange Verfahrensdauer oder Hauptverhandlungen sind Normalität gleiches gilt für Ermittlungsverfahren die nicht selten 2 Jahre übersteige...