Mittwoch, 14. Januar 2015

Identitätsfindung im Jugendalter Identität bezeichnet die einzigartige Kombination von persönlichen, unverwechselbaren Daten eines Individuums wie Name, Alter, Geschlecht und Beruf, durch welche das Individuum gekennzeichnet ist und von anderen Personen unterschieden werden kann. Im engeren psychologischen Sinn, ist Identität die einzigartige Persönlichkeitsstruktur, verbunden mit dem Bild, das andere von dieser Persönlichkeitsstruktur haben und das Verständnis für die eigene Identität, die Selbsterkenntnis und der Sinn für das, was man ist bzw. sein will. Identitätsbildung beschreibt also, dass sich ein Mensch seines Charakters bzw. seiner Position in der Welt bewusst wird (Schüler einer bestimmten Schule, Mitglied einer religiösen oder sozialen Gruppe, Bürger eines bestimmten Landes). Von der Identitätsbildung abzugrenzen ist nach Marcia (1993) die Identitätskonstruktion, die auf Grund individueller Entscheidungen zu Stande kommt, indem jemand sich damit auseinandersetzt, wer er sein will, welcher Gruppe er sich anschließen möchte, welchen Glauben er annehmen und welchen Beruf er ergreifen möchte. Die meisten Menschen haben zunächst nur eine Identität, die sich aufgrund von Äußerlichkeiten zusammensetzt (=Identitätsbildung) und nur wenige erwerben eine Identität, die sie selbst konstruiert haben und somit auf einem Prozess von individuellen Entscheidungen basiert

Die Jugendphase ist für Erikson (1988, 1991) jene Phase, in der der Mensch seine soziale Rolle festigen muss, wofür ihm die westliche, Gesellschaft meist eine Zeit des Rollen-Experimentierens, ein "psychosoziales Moratorium" zur Verfügung stellt, um in ihr seinen Platz finden zu lassen.

Denn im Vergleich zu beispielsweise primitiven oder diktatorischen Gesellschaften, in denen die Rollen festgelegt sind, erfordert die Demokratie eine "selbstgemachte Identität", die eine oft mühsame Auswahl aus zahlreichen Möglichkeiten erfordert. Die individuelle Identität ist auch immer durch eine Gruppenidentität bestimmt, sodass Identität auch eine wechselseitige Beziehung ausdrückt. Die Verfestigung (consolidation) der Identität findet nach Erikson erst während der späten Adoleszenz statt. Durch sie wird die Kindheit beendet und das Erwachsensein beginnt. Sie beinhaltet die Synthese der Fähigkeiten, Überzeugungen und Identifikationen der Kindheit in ein einheitliches, kohärentes Ganzes. Damit versorgt sie den jungen Erwachsenen mit einem Sinn für Kontinuität, der Vergangenheit und die Zukunft integriert.

Nach Erikson sind vor allem zwei Bereiche für die Identitätsbildung in der Adoleszenz entscheidend: "occupation" und "ideology". Erikson bleibt in seiner Auseinandersetzung mit der Identitätsentwicklung bei der offenen Formulierung "ein Gefühl von", die darauf hinweist, wie schwierig diese Entwicklung einer zur empirischen Untersuchung notwendigen Operationalisierung zugänglich ist.

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