Montag, 31. März 2014

Die letzten tage in Freiheit !
Was Uli Hoeneß erwartet, ein interessantes Interview mit einem ehemals Prominenten Insassen der JVA Landberg.
Ein Ex-Häftling der JVA Landsberg erzählt
Zweimal die Woche kriegt Hoeneß Marmelade

Nach Ostern muss Uli Hoeneß in die JVA Landsberg. Josef Müller kennt sich dort bestens aus. Er, der einst eine Größe in der Münchner Schickeria war, wurde 2007 wegen Steuerhinterziehung und Anlagebetrug zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt. Im Interview mit n-tv.de spricht Müller über den Knastalltag und gibt Hoeneß Tipps.

n-tv.de: Sie waren nach Ihrer Verurteilung unter anderem in der JVA Landsberg inhaftiert. Was ist die größte Umstellung für Uli Hoeneß, wenn er seine Strafe dort antritt?

Josef Müller: Alphatiere wie Hoeneß sind es gewohnt, Befehle auszugeben und Verantwortung zu tragen. Aber im Gefängnis geben Sie jegliche Eigenständigkeit ab, die Entscheidungen treffen andere. Damit wird Hoeneß am Anfang große Probleme haben. Ihm werden 20-jährige Vollzugsbeamte sagen, wann er seinen Kaffee trinkt, duschen darf und wann die Zellentür auf- und zugeht.

Was passiert mit neuen Gefangenen, die nach Landsberg kommen?

Wenn er nach Landsberg kommt, muss Hoeneß als erstes die Sachen abgeben, die er in der Haft nicht behalten darf. Seine Habe wird in der Zugangskammer aufbewahrt. Hoeneß wird Anstaltskleidung anziehen müssen, dann erfolgen die technischen Aufnahmemodalitäten.
Er muss zu einem Arzt, der ihn auf ansteckende Krankheiten untersuchen wird, sie machen ein Foto von ihm und er erhält eine Nummer, unter der man ihn von nun an führt. Wer suizidgefährdet ist, bekommt einen roten Punkt auf die Akte.
Bei Hoeneß wird das sicherlich nicht der Fall sein.

Kommen neue Häftlinge direkt in eine Einzelzelle?

Ich glaube nicht, dass Hoeneß sich zunächst mit fünf anderen Leuten in einer Zelle bewähren muss. Vermutlich kommt er gleich in eine Einzelzelle. Viel hängt von der Gefängnisleitung ab. Sie kann das steuern. Hoeneß könnte auch von den anderen Gefangenen separiert werden. Dann hätte er einen separaten Hofgang ohne die anderen. Aber das kann ich mir nicht vorstellen. Man muss immer daran denken: Eine JVA will einen Promi wie Hoeneß möglichst schnell wieder loswerden. Der geht ja nicht allein ins Gefängnis. Die Presse und sein Anwalt kommen mit. Wenn es einen kleinen Zwischenfall gibt, wäre das sofort ein Riesending. Die JVA will nicht, dass Interna nach draußen dringen. Deshalb schätze ich, dass Hoeneß nach drei bis sechs Monaten Freigänger wird.

Das heißt, er könnte tagsüber raus aus dem Gefängnis und einer Arbeit nachgehen und müsste nur über Nacht wieder in die JVA.

Genau, aber es kommt natürlich auch immer darauf an, wie sich der Gefangene benimmt. Ich kann Hoeneß nur raten:
Im Knast muss er sofort von seinem Thron heruntersteigen und sich den Gegebenheiten unterordnen. Diesen Fehler habe ich gemacht. Als ich in die JVA kam, dachte ich, ich wäre der große Müller und das gab sofort Ärger.

Was passiert, wenn Hoeneß sich nicht unterordnet?

Sonderrechte kann er dort nicht erwarten.
Benimmt er sich überheblich, wird er was erleben.
Sie werden ihn genauso behandeln wie alle anderen und vielleicht sogar noch etwas schroffer. Das System JVA wird sich nicht auf eine Hoeneß-Agenda einstellen. Auch im Gefängnis passt der Spruch:
Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Hoeneß muss freundlich zu den Beamten sein, sonst läuft das nicht. Ich habe meine Rolle nach ein paar Tagen angenommen und gerafft "Josef, da hast du keine Chance". Das sollte Hoeneß auch tun. Er muss sich sagen "Hier bin ich nicht Uli Hoeneß, sondern Gefangener in Zelle 2039/14". In der JVA ist er nicht besser als derjenige, der zwei Flaschen Wodka bei Aldi geklaut hat. Erst wenn er das checkt, wird er anerkannt.

Sie saßen nicht nur in Landsberg ein, sondern auch in München und Straubing. Wie unterscheiden sich die Gefängnisse?

Es gibt große Unterschiede. Nach Straubing zum Beispiel kommen nur die schweren Jungs, da geht's wirklich zur Sache und hart her. Aber nach Landsberg kommen immer nur Ersttäter und Verurteilte mit Haftstrafen von bis zu fünf Jahren. Ich sage ungern Kuschel-Knast, aber das ist schon eine wesentlich lockerere Version von Gefängnis. An die spartanische Ausstattung muss man sich zwar gewöhnen. Aber in Landsberg gibt es mehr Besuchszeiten, ein Schwimmbad, Tischtennisplatten, die Zellen sind in der Regel offen, nach der Arbeit kann man zusammen im Gemeinschaftsraum sitzen und Fernsehen schauen - hier wird vieles angenehmer gehandhabt. Der Staat will den Menschen, die das erste Mal straffällig geworden sind, eine Brücke zurück in die Gesellschaft bauen.

Josef Müller wurde 2010 vorzeitig aus der Haft entlassen. Im vergangenen Jahr schrieb er das Buch "Ziemlich bester Schurke", in dem er seine Geschichte erzählt. Heute ist Müller 59 Jahre alt.
Josef Müller wurde 2010 vorzeitig aus der Haft entlassen. Im vergangenen Jahr schrieb er das Buch "Ziemlich bester Schurke",
in dem er seine Geschichte erzählt. Heute ist Müller 59 Jahre alt.

Wie startet ein typischer Gefängnistag?

In der Regel werden die Zellen um sieben Uhr aufgeschlossen.
Dann geht die ganze Meute zum Duschen. Als nächstes gibt es Frühstück. Da kommt ein metallener Wagen, der den Häftlingen zum Beispiel Brot und Margarine anbietet. Zweimal in der Woche gibt es Marmelade. In einer JVA gibt es jedoch immer einen Lebensmittelladen, in dem man fast alles kaufen kann, das es in einem normalen Supermarkt auch gibt. Mittagsessen gibt es zwischen elf und zwölf.

Schließt man eigentlich Freundschaften im Gefängnis?

Im Gefängnis bilden die Insassen immer eine Zwangs- und Schicksalsgemeinschaft. Beim sogenannten Umschluss stehen die Zellen offen und die Häftlinge treffen sich, trinken zusammen Kaffee und essen Kuchen. Manche sind einem natürlich sympathischer als andere. Man sucht sich immer diejenigen raus, die auf dem eigenen Niveau sind. In Landsberg war ich war zum Beispiel gemeinsam mit einem Lufthansa-Kapitän in Haft, der ein Vermögensdelikt hatte. Einen anderen ehemaligen Mithäftling habe ich später wiedergetroffen.

Was war Ihr schlimmster Moment im Gefängnis?

Das ist der Moment, indem hinter dir zum ersten Mal eine schwere Eisentür mit einem dumpfen Geräusch ins Schloss fällt. Normalerweise sind wir es ja gewohnt, dass an jeder Tür Griffe sind. In dem Moment hat mich Panik erfüllt. Ich leide nicht unter Klaustrophobie, aber in dieser Enge mit sich selbst zu sein, ist in den ersten Stunden und Tagen unerträglich. Das ist ein Gefühl, das über den Kopf geht. Darauf kann man sich nicht vorbereiten.

Wie nutzt man die viele Zeit allein in der Zelle?

Hoeneß könnte bereits nach drei Monaten Freigänger werden.
Einzelzelle, Handyverbot und vielleicht zum Freigang, das erwartet Uli Hoeneß in Landsberg. Er wird die Widrigkeiten des Strafvollzuges kennen lernen und vielleicht auch einen sogenannten Aha Effekt haben. Eines aber ist jetzt schon sicher, die Bayrischen Justizbehörden, werden alles Vermeiden was den Anschein haben könnte, das Hoeneß besser behandelt werden könnte, wie andere Insassen der JVA Landsberg.

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