Sonntag, 9. März 2014

Alltag der Straßenkinder

Auch wenn die Betroffenen ihre Situation gelegentlich romantisieren und von Freiheit und Unabhängigkeit schwärmen, stellt sich ihr Alltag, nüchtern betrachtet, meist wenig erfreulich dar. Deutlich gesagt: Straßenkinder leben meist von Betteln, Prostitution und Diebstählen. "Im Zentrum steht die Sicherung des Überlebens."

Köln, Hohe Straße So haben sich zum Beispiel in den deutschen Groß- und Mittelstädten aus dem Straßenkindermilieu richtige Stricherszenen herausgebildet. Die Jungen, die dadurch ihr Geld verdienen, zeichnen sich vor allem durch ordentliche und teure Kleidung aus, wodurch sie sich von den anderen Straßenkindern unterscheiden. In der Stricherszene ist bekannt, dass angenehmes Auftreten und Aussehen Marktvorteile bringt; und so verdient ein Stricher je nach Aussehen und Alter 25 bis 100 Euro täglich. Die "Dienstleistungen" der Jungen umfassen dabei das gesamte Spektrum der Möglichkeiten, vom Posieren für Foto- und Filmaufnahmen mit ihrem Freier bis zu verschiedenartigsten sexuellen Kontakten. Im Gegensatz zu den Mädchen treten die Jungen auch oft in der Öffentlichkeit mit ihrem Freier auf, als Vater und Sohn. Mädchen aus dem Prostitutionsmilieu suchen sich meistens nach kurzer Zeit einen Freund, der sich dann häufig als Zuhälter entpuppt (oder dazu wird). Straßenkinder, die den "anderen" Weg wählen, nämlich sich mit Diebstählen durchzuschlagen, leben stärker als ihre sich prostituierenden Kumpel in der Gefahr, entdeckt zu werden.

Besonders problematisch ist die Situation für drogenabhängige Straßenkinder. Um an Drogen zu kommen, verdingen sie sich häufig bei Hehlern als Boten und Kuriere. Die meisten Straßenkinder rauchen Haschisch, "harte Drogen gefährden besonders Langzeitstraßenkinder" (www.offroadkids.de). Strichjungen verdrängen beim Haschrauchen das Erlebte, andere wollen einfach nur den Alltag vergessen und glücklich sein. Die meisten Straßenkinder versuchen sich möglichst lange von harten Drogen fernzuhalten. Doch aufgrund der Gefahr, dass sie auf der Straße unentwegt auf Drogenabhängige treffen, geraten sie unausweichlich an harte Drogen. Manche Langzeitstraßenkinder verzweifeln immer mehr an ihrer Situation und betäuben ihren Kummer mit Speed, Heroin oder Kokain.

Der Tagesablauf ist jedoch bei jedem Straßenkind gleich. Vom frühen Nachmittag an bis spät in die Nacht gehen sie ihren "Erwerbstätigkeiten" in der jeweiligen Szene nach. Bettelnde Straßenkinder verstecken sich im Winter schon nachmittags. Übernachtungsmöglichkeiten für Straßenkinder gibt es viele. Sie schlafen unter freiem Himmel, in Parks, unter Brücken, in Hauseingängen, Bauwagen, leer stehenden Häusern oder bei ihren Freiern.

Wie man in Befragungen herausgefunden hat, streben Straßenkinder, obwohl sie sich meist anti-bürgerlich geben, erstaunlicherweise ein fast schon spießig zu nennendes Lebensidyll an.

Sie wünschen sich geordnete Lebensverhältnisse, die sie zu Hause offenbar nie gekannt haben. Sie suchen Geborgenheit, die sie daheim nie erfahren haben. Umso stärker ist der Wunsch nach einer heilen Familie, mit Partner und Kind, dabei wünschen sich die Straßenkinder jedoch nie in ihre Herkunftsfamilien zurück. Der Wunsch nach Selbstständigkeit ist bei den über 16-Jährigen stark ausgeprägt. Bei den Jüngeren ist die Sehnsucht nach Geborgenheit wichtiger. Sie suchen Bezugspersonen und Zuneigung, permanente Ansprechpartner und Perspektiven.

Die meisten hoffen auf eine Arbeit, eine Wohnung, einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung.

"Sie wollen 'drogenfrei' werden, keine 'erniedrigenden' Arbeiten mehr verrichten müssen und unabhängig vom Sozialamt werden."

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