Samstag, 25. Januar 2014


Eine allgemein gültige Definition des Begriffes Resozialisation zu finden bereitet Probleme,
da es zwar eine große Anzahl von Deftinitionsversuchen gibt, diese jedoch nicht zu einem "Praktisch verwertbaren Inhaltsgefüge des Vollzugs'  kommen, Trotzdem seien im folgenden einige Definitionsversuche aufgeführt.

Resozialisierung;(Nach verbüßen einer längeren Haftstrafe) schrittweise
Wiedereingliederung in die Gesellschaft mit Mitteln der Pädagogik, Medizin und Psychotherapie ( Siehe Duden. Das Fremdwörterbuch)
Resoziatisation - Wiedereinführung des gefangenen in das soziale Leben oder seine Wiedereingliederung in die Menschliche Gemeinschaft ( Deimling 1968 s. 257)
Resozialisierung wird verstanden als ein Teil des lehenslangen Sozialisationsprozesses wobei die Vorsilbe -re- ausdrücken soll, daß ein Teil der SoziaUsation außerhalb der gesellschaftlich vorgegebenen Normen und Wertmaßstabe stattgefunden bat, so daß eine -Wieder-Eingliederung notwendig wird' (Maelicke 1993, S 783 ) ,Der Gefangene soll lernen sich straffrei zu verhalten' (Vergl. Schuler-Springorum 1969, S, 158)
"Normengeltung als überzeugte Normenbefolgung kann nur mittels Sozialisierung zu Rechtsbewusstsein entwickelt werden, Resozialisierung ist die Spezifische Form dieser Sozialisation ,für die (zur Freihtsstrafe) verurteilten Straftäter
Schon in diesen fünf Definitionsversuchen wird klar, wie verschiedenartig der Begriff
Resozialisation mit Inhalt gefüllt wird..
Der Begriff Resozialisierung als Ziel des Strafvollzugs kann also eher als ein Synonym für ein
gesamtes Programm und nicht als ein Fachbegriff mit klar definierter Bedeutung gesehen
werden.

Die Grundlage des Resozialisierungskonzepts bildete die Strafrechtsschule Franz von
Liszts. Liszt verwendet zwar nicht den Begriff Resozialisierung selbst, er spricht statt dessen
von Besserung und Erziehung,
Nach Liszts Ansichten beschränkte sich das Ziel der Besserung auf Jugendliche und
Heranwachsende...
Wir verlangen in erster T Linie die erziehende Behandlung der Besserungsfähigen, und da die
erziehende Umgestaltung des Charakters durch körperliche und geistige Ausbildung wie
durch Gewöhnung an regelmäßige Arbeit, nur bis zu einem gewissen Lebensalter überhaupt
möglich ist, können wir wohl sagen, die erziehende Behandlung von Jugendlichen' (Liszt
1905, S, 397} Der Begriff Resozialisierung wurde erstmals von Karl Liebknecht in seinem Entwurf <Gegen die Freiheitsstrafe 1918 und m der spezifischen Fachliteratur von Hans Ellger 1922 gebraucht.

Liebknecht benutze den Begriff zwar nur einmalig, entwickelte jedoch viele Gedankengänge
die erst in den sechziger Jahren breiter Diskutiert wurden, Ellger spricht von der sozialen Aufgabe des Strafvollzugs und von dem Ziel, den Gefangenen " zu einem sozialen Glied der Gesellschaft (zu) machen' (Vergl. Ellger 1922 S. 17 und 39f) Während des Faschismus wurde dagegen die Spezialprävention als Erziehungsgedanke gesehen, alle Gewohnheitsverbrecher sollten durch die Todesstrafe ausgemerzt werden ( Vergl. Eberhard 1942, S. 65 )
In den 50er Jahren gab es erste Ansätze von Resozialisierung in der Kriminalpolitischen Debatte,so hieß es schon in der Kontrollratsdirektive Nummer 19 vom 12. November 1945 "Das kein Menschliches Geschöpf hoffnungslos verwahrlost oder verdorben sei' Nicht nur das Faschistische Menschenbild wurde damit umgekehrt, auch Liszts Gedanken der Unverbesserlichkeit wurden verabschiedet.
In den 60er Jahren wurde der Begriff Resozialisierung deutlich breiter diskutiert. Der Sonderausschuss für Strafrechtsreform sprach sich 1969 für " Die Moderne Ausgestaltung des Sanktionensystems als wirksamen Instrument der Kriminalpolitik mit dem ziel einer Verhütung künftiger Straftaten, vor allen Dingen durch Resozialisierung des Straftäters' aus. Der Resozialisierungsgedanke hängt also von allgemein politischen Entwicklungen ab und konnte erst auf der Basis des sich entwickelnden Wohlstandes in der Bundesrepublik Deutschland in den Vordergrund treten.

Die gesetzlichen Regelungen der Resozialisierung sind verstreut über verschiedene Bundes -und Landesgesetze, eine stärkere Koordinierung und Vernetzung wäre erforderlich um den Erfordernissen der Praxis gerecht zu werden.
Grundlegende Regelungen für das Gesetz der Resozialisierung finden sich im Grundgesetz, in der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten, sowie im allgemeinen Teil des Sozialhilfegesetzbuches.
Die verschiedenen Aufgabenbereiche der Strafiälligenhilfe werden detailliert geregelt im Jugendgerichtsgesetz, im Kinder- und jugendhilfegesetz, in der Strafprozessordnung, im Strafgesetzbuch, im Strafvollzugsgesetz und im Bundessozialhilfegesetz.
Weitere Sonder- und Detailregelungen gibt es in der Jugendarrestvollzugsordnung, in der Strafvollstreckungsverordnung, in der Strafvollzugsvergütungsverordnung, in der Verordnung zur Durchführung des §72 BSHG sowie im Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln,im Bundes Zentralregistergesetz und im Opferentschädigungsgesetz. 

Die Vorschriften zur Regelung der Resozialisierung sind oft lückenhaft und zudem kaum überblickbar, eine Aktualisierung oder eine Gesamtneuregelung des Rechts der Resozialisierung wäre deshalb dringend erforderlich.

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