Freitag, 24. Januar 2014



Die selbstverständlichste Form einer Liebesbeziehung ist die zwischen Mann und Frau. Nahezu alle Signale, die Kinder und Jugendliche im Laufe ihrer Entwicklung empfangen, zielen auf diese heterosexuelle Liebe.

Auch wenn Homosexualität, d.h. die Hinwendung zum gleichgeschlechtlichen Partner in unserer Gesellschaft mehr und mehr Akzeptanz erfährt und mittlerweile viele Prominente öffentlich zu ihrer Homosexualität stehen, wird ihr häufig noch mit Unverständnis und abfälligen Bemerkungen begegnet. Die Hinwendung zu einem gleichgeschlechtlichen Partner bereitet vielen Menschen Unbehagen, denn Sexualität zwischen Männern oder Frauen durchbricht unsere gängigen Vorstellungen und ist für viele unvorstellbar
.
Die meisten Eltern erwarten, dass sich die Tochter für einen Jungen, der Sohn für ein Mädchen interessiert, dass er oder sie vielleicht heiratet und eine Familie gründet. Offenbart das eigene Kind seine Homosexualität oder spüren Eltern, dass der Sohn schwul oder die Tochter lesbisch ist, so ist es für die meisten Eltern sehr schwer, sich dieser Tatsache zu stellen. 
Sie sind enttäuscht und müssen sich von ihren eigenen Wunschvorstellungen lösen. Zweifel kommen auf. Sie fragen sich, was in der Vergangenheit schief gelaufen ist, obwohl sie vielleicht wissen, dass Homosexualität nicht gelernt wird oder ein „Fehler“ ist. Fragen wie „Wird mein Kind in einer homosexuellen Partnerschaft glücklich?“ und „Welche Nachteile für Schule und Beruf entstehen daraus für mein Kind?“ oder „Was werden die Verwandten, Nachbarn und Freunde sagen?“ quälen oft die Eltern. Auch das Thema AIDS können Eltern plötzlich als eine große Bedrohung empfinden.

Wenn Eltern ehrlich sind, so gestehen sie, dass ihnen unbehaglich zumute wird, wenn der Sohn ständig mit dem gleichen Freund im Zimmer verschwindet oder die Tochter nur noch von ein und derselben Freundin schwärmt. Viele Jugendliche haben während der Pubertät gelegentliche, manchmal auch häufige homosexuelle Kontakte. Aber nicht jeder Mensch, der als Jugendlicher einen gleichgeschlechtlichen Menschen begehrt, wird dauerhaft homosexuell sein, d.h. Homosexualität wird nicht „übertragen“, auch wenn einer / eine von beiden schwul oder lesbisch ist. Die Ausrichtung der Gefühle und Bedürfnisse klärt sich beim heranwachsenden Kind langsam. Erst wenn homosexuelle Gefühle von ihm realistisch wahrgenommen und vor sich selbst anerkannt werden, wird es sich nach außen wenden können.

Es gibt keine allgemeinen Anzeichen dafür, ob ein Kind homosexuell ist oder nicht. Zu beobachten ist häufiger, dass die zutiefst verunsicherten betroffenen Jugendlichen sich zunächst einmal von den Schulkameraden, Freunden und Eltern zurückziehen oder sich einen neuen Bekanntenkreis suchen, wenn sie schon Kontakte zu anderen Homosexuellen haben. Aber natürlich ziehen sich auch heterosexuelle Jugendliche während ihrer Pubertät von den Eltern zurück, was ein natürlicher Abnabelungsprozess ist.

Wenn Sie glauben, Ihr Kind könnte homosexuell sein und es nicht direkt fragen möchten, könnten Sie über einen Umweg das Gespräch auf eine lesbische Kollegin oder einen schwulen Schauspieler bringen und dabei signalisieren, dass Homosexualität für Sie nichts Unnormales ist und dass die sexuelle Neigung eines Menschen für Sie keine Bedeutung für den Charakter hat. Auch könnten Sie Ihrem Kind sagen, dass es Ihnen aufgefallen wäre, dass es in letzter Zeit oft alleine ausgeht und kaum noch Besuch bekommt und fragen, ob es mit Ihnen über die Gründe dafür sprechen möchte. Wenn Ihr Kind weiß, dass Homosexualität für Sie kein Tabuthema ist und spürt, dass Sie ihm wirklich helfen möchten und vor allem wirklich seine/ihre Persönlichkeit achten, ist es eher bereit, sich Ihnen mitzuteilen.

Die Erkenntnis schwul oder lesbisch, also homosexuell zu sein, kann jungen Menschen große Angst machen. Auch wenn sie bereits bei ihrer Aufklärung erfahren haben, dass unterschiedliche sexuelle Orientierungen normal sind, so stehen die eigenen Gefühle im Gegensatz zu dem, was das soziale Umfeld, vor allem aber die Eltern von ihnen erwarten.
Wenn Ihr Sohn eines Tages zu Ihnen sagt: „Ich bin schwul“ oder Ihre Tochter „ich bin lesbisch“, so ist dies zunächst mal ein sehr großer Vertrauensbeweis Ihnen als Eltern gegenüber. 
Für das Kind birgt die Offenbarung seiner Homosexualität aber auch ein großes Risiko, denn es muss fürchten, von seinen Eltern abgelehnt oder gar verstoßen zu werden.
Daher sollten Sie Ihrem Kind immer zu verstehen geben, dass Sie zu ihm stehen und es bedingungslos annehmen, d.h. es so lieben, wie sie es bisher geliebt haben und dass sie es unterstützen werden.

Wichtig ist, dass Sie als betroffene Eltern mit Ihrem Sohn oder mit Ihrer Tochter über Ihre eigenen Ängste sprechen, denn nur wenn sie ausgesprochen sind, können sie abgebaut und überwunden werden...

Obwohl schwule Männer und lesbische Frauen genauso viele Gemeinsamkeiten mit ihren Mitmenschen haben wie andere auch und sie durch äußere Merkmale nur selten zu erkennen sind, müssen sie sich vielen Klischees stellen, zum Beispiel dass lesbische Frauen in der Regel „männerfeindlich“ sind und Schwule „Tunten“ sind.
Von solchen allgemeinen Vorurteilen sollten Sie sich keinesfalls verunsichern lassen, denn schließlich wird Ihr Kind nicht von heute auf morgen ein anderer Mensch, nur weil es Ihnen anvertraut hat, einen Menschen gleichen Geschlechts zu lieben. Niemand kennt Ihr Kind besser als Sie!

Es kann für Sie als Eltern und auch für Ihr Kind sehr hilfreich sein, wenn Sie sich aktiv für den Abbau von Vorurteilen und Benachteiligung von Homosexuellen einsetzen. 
Dieses Engagement beginnt in der Verwandtschaft und im Freundeskreis, kann aber auf größer wirkender sozialer Ebene stattfinden.



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