Freitag, 3. Januar 2014

Die Frau ist gefährlich, das war allen klar. Mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ werde die 47-Jährige aus dem Raum Ravensburg weitere Straftaten begehen, urteilte das Oberlandesgericht Stuttgart Ende November – und ordnete dennoch ihre sofortige Freilassung an. Kaum einen Monat in Freiheit, steckte die Frau einen Supermarkt in Baienfurt (Landkreis Ravensburg) in Brand. Bereits Mitte Dezember hatte sie die Fußfessel, die sie laut richterlicher Anordnung tragen musste, durchgeschnitten. Seitdem war sie verschwunden.

In baden-württembergischen Justizkreisen ist die Frau so etwas wie eine Berühmtheit. Die notorische Brandstifterin war die einzige weibliche Sicherungsverwahrte im Land. Im Frauengefängnis von Schwäbisch Gmünd galt sie als Schrecken der Anstalt, verletzte Angestellte und Mitgefangene. Zuletzt bewohnte sie einen eigenen Trakt. Eine Therapie verweigerte sie.

Die kriminelle Karriere der Frau begann 1991 mit Brandstiftungen. Vier Jahre später nahm sie in der Psychiatrie in Ravensburg-Weißenau eine Putzfrau als Geisel und bedrohte sie mit einem Messer. Später griff sie einen 76-jährigen Mann an, um ihn auszurauben. Dafür wurde sie verurteilt – aber es wurde keine anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet.
Dies geschah erst 2008, als sie im Gefängnis weiter auf andere Menschen losging. Doch 2009 verwarf der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die nachträglich angeordnete Sicherungsverwahrung als menschenrechtswidrig. Vor diesem Hintergrund ordnete das Oberlandesgericht Stuttgart die Freilassung der Frau an. Es bestätigte damit eine Entscheidung des Landgerichts Ellwangen, gegen die die Staatsanwaltschaft Ravensburg Beschwerde eingelegt hatte.
Man kann hier auch tatsächlich von einem kompletten Versagen der Justiz sprechen, ich selbst habe diese Frau während meiner Recherchen zu meiner Buchreihe Im Dschungel der Justiz, kennengelernt und war auch über ihre Sicherungsverwahrung im Bilde, so hatte ich auch Kontakt zu ihr und auch ich kam zur Einschätzung, diese Frau ist eine "Gefahr" für die Allgemeinheit.
Auf der einen Seite muss aber auch gesagt sein, eine Entlassung, wie diese hier stattfand, ist in der Sache vollständig schief gegangen, so fanden keinerlei Eingliederung Maßnahmen statt, weder wurde seitens der zuständigen JVA noch durch andere Stellen eine wirkliche Entlassungsvorbereitung getätigt, so dass hier bereits absehbar war das dies Schief gehen wird.
Auf der anderen Seite, kann man keine als "Gefährlich" eingestufte Personen lediglich mit einer Fußfessel an weiterer Straffälligkeit hindern. Ich frage mich allerdings, warum keine Vor Ort Überwachung wie bei der Mehrzahl von Ehemaligen Männlichen Sicherungsverwahrten dutzendweise getätigt, stattfand?
Viele Fragen zu denen die Justiz wie immer keine Antworten geben möchte.

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