Dienstag, 15. Oktober 2013

Jugendstrafvollzug ?


Der Vollzug der Freiheitsstrafe wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte vom reinen Verwahrvollzug (Vergeltungs- und Rachegedanke) zum Behandlungs- bzw. Erziehungsvollzug, der in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts seinen Ursprung hatte.
In England richtete man 1555 auf Schloss Bridewell ein Arbeitshaus ein, in dem Diebe und Landstreicher an die Arbeit gewöhnt werden sollten, um sie somit in die Gesellschaft wieder eingliedern zu können.
Es folgten “Zuchthäuser” in Holland und Deutschland ( u.a. 1609 in Bremen), sowie die Einrichtung eines separaten Zuchthauses für “missratene Kinder” (1603). Die bisherigen Vollzugsformen mit reinem Vergeltungscharakter blieben darüber hinaus bestehen.
Während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) gingen die ersten Ansätze des Resozialisierungsgedanken wieder verloren. Wieder von England ausgehend, fanden im 18. Jahrhundert Reformbewegungen statt, die noch vor der Jahrhundertwende dazu führten, dass man Kinder und Jugendliche während der Strafverbüßung als Erziehungsbedürftig behandelt.
Diese Reformideen fanden ihre Umsetzung in Deutschland in der Einführung eines gesonderten Jugendstrafvollzugs. In Wittlich wurde 1912 das erste Jugendgefängnis eröffnet und der Reichstag verabschiedete 1923 das erste Jugendgerichtsgesetz (RJGG).
Es flossen erzieherische Gesichtspunkte bei der Auswahl der Maßnahmen oder der Strafe mit ein.
Das Jugendgerichtgesetz in der Fassung vom 04.08.1953 (JGG) beinhaltete die Strafaussetzung zur Bewährung, sowie die Bewährungshilfe. In §91 JGG wird der Jugendstrafvollzug ausdrücklich als Erziehungsvollzug definiert.
In §2 des Strafvollzuggesetzes (StVollzG) vom 16.03.1976 heißt es über die Aufgaben des allgemeinen Strafvollzugs: “…im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen (Vollzugsziel)”, aber weiterhin “der Vollzug der Freiheitsstrafe dient auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten.”
Es wird hier im Ansatz bereits ein Interessengegensatz deutlich: Behandlung- bzw. Resozialisierung auf der einen, Sicherungsverwahrung auf der anderen Seite.
Der Jugendstrafvollzug stellt als “letzte Instanz” der zur Verfügung stehenden Erziehungsmittel für einen jungen Straftäter eine Möglichkeit dar, durch geschultes Personal und geeignete Einrichtungen, “künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen.” (StVollzG, § 2).
Ein großes Problem, hinsichtlich der Umsetzung dieses Ziels (Vollzugsziel), zeigt sich in Untersuchungen in den siebziger Jahren, die zu dem Ergebnis kamen, dass die Folgen der Haft die Voraussetzungen für eine soziale Existenz des Gefangenen “draußen” eher verschlechtern.
(vgl.KERSTEN/v. WOLFFERSDORF, 1980, S. 280 f.).
Dies kann zum Beispiel auf jugendliche zutreffen, die zum ersten Mal in Kontakt mit dem Strafvollzug geraten und zunehmend im Verlauf ihrer Freiheitsstrafe von Hafterfahrenen Gefangenen negativ beeinflusst werden.
Zudem kann sich ein kaum mehr zu beseitigender Teufelskreis aus abweichenden Verhalten (Kriminalität) und sozialer Ächtung bilden, da der Vollzug der Freiheitsstrafe zu einer “Stigmatisierung” führt.
Im reformierten Strafvollzug wird aber durch die erzieherischen Maßnahmen versucht, solchen Prozessen entgegenzutreten, den Integrationsgedanken in den Vordergrund zu stellen und somit den negativen Einflüssen des Strafvollzugs entgegenzuwirken.
Bei aller Liberalisierung des Strafvollzugs sollt man dennoch bedenken, dass er sich aus einer vehementen Rechtsgutverletzung anderer Bürger heraus ergibt und als letztes Erziehungsmittel gewählt wurde, da andere bereits verhängte Strafen keinen Erfolg zeigten.

Es erweißt sich aber für wichtig, dass Strafe und Erziehung in einen, für die Gesellschaft akzeptablen und den jugendlichen Gefangenen förderlichen, Zusammenhang zu bringen, um das Auftreten abweichenden Verhaltens in Zukunft zu verhindern.
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