Montag, 17. Juni 2013

Eine gescheiterte Existenz V. Kinderneurosen und Kinderpsychosen.



Irgendwann hat sich die Redeweise eingebürgert, vom Paradies der Kindheit zu sprechen. Die Erwachsenen blicken zurück auf ihre Kinderjahre und pflegen diese zu verklären. Dabei verdrängt man aber vieles, was in jener Lebensphase an Nöten, Schwierigkeiten und Tragik enthalten ist.
Nur selten strahlt über dem Kinderland überwiegend der Sonnenschein, und viel häufiger ist es, dass Kinder im Verlaufe ihres Wachsens und Werdens mit gravierenden Problemen konfrontiert werden. Vor allem die Tiefenpsychologie sowie die Kinder- und Jugendpsychiatrie haben mit dem Mythos der sorglosen Kindheit gründlich aufgeräumt. Wir wissen heute, daß die ersten Lebensjahre bis hin zur Pubertät und Adoleszenz schwierige Entwicklungsaufgaben eine masse für Kinder und Jugendliche bereithalten.
Jahrzehnte psychologischer Kinderbeobachtung haben ergeben, daß viele Kinder neurotische Phasen oder gar handfeste Neurosen durchmachen, ohne dass die Eltern oder Lehrer das immer sachgemäß registrieren. Man spricht dann bestenfalls von “Kinderfehlern” und “Entwicklungshemmungen” , ohne zu wissen, daß hierbei die Gefahr eines gesamtmenschlichen Scheiterns besteht. Oft verschwinden zwar die Symptome im Laufe der Jahre, aber das neurotische Grundmuster bleibt bestehen. Wenn im späteren Leben Kalamitäten und Konflikte in dieselbe Kerbe schlagen, die schon in der Kindheit strukturiert wurde, können oft wie aus scheinbar heiterem Himmel seelische Erkrankungen ausbrechen. *Gerhard Danzer*
Warum aber laufen so viele Kindesentwicklungen schief? Das liegt an der erzieherischen Unbeholfenheit von Eltern und Lehrern ebenso wie an den kulturellen Rahmenbedingungen. Eltern und Lehrer sind selbst bisweilen nur mangelhaft erzogen und seelisch gestört. Man kann aber den Kindern nicht mehr geben, als man hat; und wenn die Erzieher nicht gut mit den eigenen Lebensaufgaben zu Rande kommen, werden neurotische Traditionen über Generationen hinweg weitergegeben. Wie sehr solche Defizite – verbunden mit mangelhaften Schul- und Ausbildungssituationen sowie einer von Nihilismus und Beliebigkeit geprägten Kultur – Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung behindern und sie in Lebensatmosphären der Einsamkeit und manchmal auch Verzweiflung bringen, kann man unter anderem in den Büchern von Philippe Ariés Geschichte der Kindheit (1960) und von Lloyd de Mause Hört Ihr die Kinder weinen? (1977) nachlesen. Es gibt über die Jahrhunderte hinweg eine schwarze Pädagogik, die mit fabelhafter Sicherheit Kinderneurosen, Kindersychosomatosen und sogar Kinderpsychosen hervorrief.
Diese Störungen und Erkrankungen wurzeln im Charakter des Menschen. Andere Begriffe für Charakter sind stabiles Verhaltensmuster und Lebensstil. Darunter ist zu verstehen ein Insgesamt von Gewöhnungen, Einstellungen, Gesinnungen, Verhaltensweisen, Stimmungen und Weltanschauung. Der Charakter entsteht in der Auseinandersetzung des Kindes mit seinen biologischen Gegebenheiten und seiner Umwelt. Dabei kommt auch ein schöpferisches Element zum Tragen.
Keine Charakterentwicklung kann kausal nur aus der Biologie oder nur aus dem Milieu hergeleitet werden. Es kommt darauf an, wie das Kind Einflüsse aufnimmt und verarbeitet.
Darin besteht ein Freiheitsspielraum, den man nicht unterschätzen soll.
Neurotische Charakterzüge sind in der Regel durch Affekte gestützt und radikalisiert. Wie schon der Begründer der Individualpsychologie Alfred Adler in seinem Hauptwerk Über den nervösen Charakter (1912) umfassend darstellte, geht man nie fehl, wenn man bei neurotischen Kindern oder Erwachsenen nach zugespitzten und von Affekt untermalten Eigenschaften sucht, welche die Einfügung ins soziale Leben empfindlich erschweren. Als solche nervöse Charakteranomalien beschreibt Adler z.B. Überempfindlichkeit, Ängstlichkeit, Trauer, Neid, Ehrgeiz, Eitelkeit, Geiz, Eifersucht, Hass, Pessimismus, Verstimmungen usw. Begründet aus Vernachlässigung, Zurückweisungen, Lieblosigkeit und Herabsetzungen.
Ich habe in der Buchreihe Eine gescheiterte Existenz, vieler solcher Gründe ausführlich dargelegt und betrachtet.
Infos über die Buchreihe auch auf den Facebook Seiten

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