Freitag, 24. Mai 2013

Eine gescheiterte Existenz V. Wunden


Die tiefen Wunden, die in unserer Kindheit geschlagen wurden, sind durch die damaligen Verdrängungsmechanismen (Abwehrformen) nicht geheilt, wenn man sie nicht erinnert, sie sind und bleiben emotional gespeichert. 

Die Erinnerung an diese Schmerzen führt dazu, dass wir später immer wieder in Situationen geraten oder sie auch anziehen, die diese Wunde wieder bluten lassen. Der Zwang zur Wiederholung ist ein psychisches Gesetz.
Den oft zitierten Satz von C.G. Jung „Was du innen leugnest, ziehst du von außen an und nennst es dann Schicksal“ finde ich sehr gut und zutreffend, allerdings kann ein in der Kindheit Verwundeter nicht anders als seine verletzten Gefühlswunden schützen, das heißt, er muss sie leugnen – wie sonst sollte er damit leben?
Wir alle haben aber auch die Möglichkeit, uns in therapeutische Behandlung zu begeben oder uns durch entsprechende Literatur unsere geleugneten Verletzungen bewusster zu machen.
Diese harten Aspekte bedeuten eine Herausforderung, die wir – wie bei allen anderen schwierigen Konstellationen – wohl annehmen sollten.
Ich möchte nun Lukas vorstellen, einem heute 14-jährigen Jungen, dessen Ausgangssituation durch das Drama der Eltern gekennzeichnet war und dessen Entwicklung durch eine narzisstische Verwundung durch beide Eltern zutiefst gestört wurde. Lukas ist das uneheliche Kind einer damals sehr jungen Mutter, die den Vater nicht heiraten wollte, stattdessen diverse Männerfreundschaften einging und schließlich einen weitaus älteren Mann heiratete, der zweifelhaften Geschäften nachging, sehr viel trank und den Jungen mehr als lästig fand. Die heftigen Streitereien in der gemeinsamen Wohnung drangen selten nach außen, allerdings erfuhr die Großmutter über bestimmte Quellen, was sich da abspielte. Lukas wurde in der Schule bald auffällig, litt an Neurodermitis, die oft auf psychische Störungen zurückzuführen ist, an ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) und Hyperaktivität. Später wurde er auffällig durch kleinere Diebstähle, er kam nicht nach Hause und wenn, dann traf er seinen betrunkenen “Ersatz-Vater” an oder aber es war niemand daheim.
Die Fürsorge schaltete sich ein, und Lukas wurde mit sofortiger Einwilligung der Mutter zu Pflegeeltern gegeben, die schließlich auch überfordert waren.
Nun kam Lukas in ein Heim mit integrierter Schule nach Norddeutschland und fügte sich – mit einigen drastischen Rückschlägen – doch recht gut in die Wohn- und Schulgemeinschaft ein. Seine Mutter kümmerte sich kaum um ihn, und der richtige Vater war ebenso desinteressiert, meldete sich ab und zu mal bei ihm, um dann Monate wieder nichts von sich hören zu lassen. Lukas bemühte sich um telefonischen Kontakt zu seinen Eltern, der aber fast nie zustande kam. Seine sporadischen Wutanfälle sind teils so gefährlich, dass man ihn schon mit Spritzen ruhig stellen musste. Über seinem Bett hat er Fotos von seinen Eltern angebracht, aber die einzigen konstanten Bezugspersonen, die sich liebevoll um ihn kümmern, sind seine Großeltern.
Betrachten wir nun C. und seinen Lebensweg, finden wir einige Parallelen, so die Zurückweisungen durch den Vater, wie auch das Abwenden der Mutter. Es gibt vieler solcher Fälle in Deutschland, die noch Unentdeckt sind und Kinder in einem Martyrium von Angst und Verlassenseingefühlen dahin Vegetieren.
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