Samstag, 18. Mai 2013


Eine gescheiterte Existenz V. Bann Botschaften

Worte wie Waffen
Worte können ähnlich verletzend sein wie körperliche Gewalt. “Sprachliche Verletzungen kommen überall da vor, wo Gefühle oder unklare Machtverhältnisse im Spiel sind”,
Sie sind ein alltägliches Problem vieler Beziehungen
Frust und AbwertungEs gibt verschiedene Varianten der verletzenden Worte: Vergleiche, die ein Kind abwerten oder direkte Angriffe: “Schau dir mal das gute Zeugnis deines Bruders an”, sagt aus, du hast ein schlechtes Zeugnis, du bist im Vergleich ein Versager. Oder “Mann, wie kann man nur so begriffsstutzig sein”, “das war mal wieder typisch” wertet das Kind direkt ab und frustriert es, es gibt ihm keine Chance, sich zu beweisen, es pauschaliert und ist nicht situationsbezogen. „Worte fügen dem Gegenüber zwar keine physischen Verletzungen zu, aber sie können durchaus als linguistisches Messer eingesetzt werden.“
Bann Botschaften für das LebenKehren solche Sätze immer wieder, können sie wie ein Fluch wirken, wie eine Prophezeiung, die sich selbst erfüllt. Den Begriff “Bannbotschaft” hat die Psychotherapeutin Sabine Unger geprägt*. Sie können entmutigen und Selbstvertrauen rauben. Kinder suchen auch später die Schuld für Misserfolge bei sich. Oder scheuen ähnliche Situationen, um gar nicht erst darin zu scheitern. Bannbotschaften sind Motivationskiller: Kinder werden ausgebremst, ihre Potenziale auszuschöpfen.
Ein so gebanntes Kind wird sich erst gar nicht anstrengen, wenn doch das Ergebnis sowieso schon fest steht. “Sprachlich war ich schon immer eine Niete”, heißt dann
die Begründung für die verkorkste Englischarbeit.
Das Verflixte an Worten ist: Sie können verletzen,
aber ihre Narben erkennt man nicht, die Wirkung baut sich langsam auf und kann eine Last für das gesamte Leben werden. Selbst wenn Erwachsene durch ihren Erfolg im Leben die Aussage als falsche Behauptung widerlegt haben, der Bann bleibt bestehen. Vor allem, wenn die Botschaft auch noch das Wort “Schuld” enthält, bürdet man den kleinen eine Last auf.
Solche Bann Botschaften, waren bei C. an der Tagesordnung und er musste ständig solch Verbale Messerstiche seines Vaters ertragen und hinnehmen.
Eltern haben immer RechtKleine Kinder glauben den Eltern, was sie sagen. Es zählt für sie, denn Eltern erklären die Welt. Also sagen sie auch die Wahrheit, wenn sie die Kinder verbal herabsetzen. “Aus dir wird nie etwas, schau dich doch an!”, “dass Du in Mathe eine Niete bist, hast Du von Mama geerbt” und “die große Nase von Papa” – was gleich zwei Personen verletzen kann. Natürlich setzen sich auch nette, positive Pauschalierungen fest, aber die sind leider seltener. Beispiel: “Die netten Grübchen hast du von Mama.”
“Immer” und “nie” mit starker WirkungKleine Worte mit großer Wirkung. “Nie räumst du dein Zimmer auf!”, “muss man dir das immer wieder sagen?” Standard-Sätze im Eltern-Wortschatz. Warum also sollte ein Kind aufräumen oder sich etwas merken, wenn die Eltern sowieso nicht daran glauben. Auch außerhalb des Elternhauses begegnen Kindern solchen Aussagen: “Heulsuse” oder “dann bin ich nicht mehr dein Freund”, damit verletzen beispielsweise schon Kindergartenkinder ihre Kameraden.
Aussagen wieder gut machenMeist werden diese Botschaften unwissentlich oder ohne böse Absicht eingesetzt, oft sogar, um Schaden von Kindern abzuhalten (“Lass mich das machen, damit du dir nicht weh tust”). Aus Ärger oder Zorn rutschen an einem schlechten Tag Eltern manchmal Formulierungen durch,
die sie eigentlich nie sagen wollten. Bleiben dies Ausnahmen, kann das ein seelisch stabiles Kind, das ansonsten viel Liebe und Zuneigung erfährt, verkraften. Auch eine Entschuldigung hilft oder bei größeren Kindern eine Erklärung der Situation. Aber: Erklärung und Entschuldigung nutzen sich ab, wenn sie nicht sparsam eingesetzt werden.
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