Mittwoch, 15. Mai 2013


Eine gescheiterte Existenz V. Verbale Gewalt


Immer mehr Eltern lehnen Gewalt in der Erziehung ab. Doch dass auch verbale Gewalt schlimme Kerben in der kindlichen Seele hinterlassen kann, ist vielen gar nicht bewusst. Mit Worten kann man oft sogar mehr verletzen als mit anderen Formen von Strafe. Sie zerstören Vertrauen und greifen das Selbstwertgefühl massiv an.

Was ist “seelische Gewalt”?„Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“
So steht es in unseren Gesetzen. Doch wo fangen seelische Verletzungen an? Grundsätzlich kann man sagen,
dass psychische Gewalt Äußerungen und Verhaltensweisen sind, die dem Kind Angst machen, es herabsetzen und ihm das Gefühl vermitteln, wertlos zu sein, nicht geliebt zu werden. Es handelt sich also um Maßnahmen wie entwürdigende Bezeichnungen, Schweigen als Strafe, Aussperren und Erniedrigen, zum Beispiel durch verächtliche Aussagen, öffentliches Demütigen oder bestimmte Gesten.
“Dann habe ich dich eben nicht mehr lieb”
Psychische Gewalt zählt zu den häufigsten Formen von Gewalt an Kindern und wird oft sehr subtil ausgeübt.
Man muss ein Kind nicht schlagen, um ihm weh zu tun. Liebesentzug und Herabsetzung sind eine ebenso grausame Maßnahme wie jede Demütigung. Oftmals geschieht das gar nicht bewusst. Aussagen wie „Wenn du jetzt nicht gleich hörst, dann hab ich dich nicht mehr lieb“ oder „Wie dumm kann man eigentlich sein?“ werden unüberlegt dahingesagt und hinterlassen doch ihre Spuren. Vor allem kleine Kinder sind dieser Form der Gewalt häufig ausgesetzt und können sich gegen die Abwertung, die sich in ihre Seele schleicht, nicht wehren. Wissenschaftler der Universität Leipzig haben sogar herausgefunden, dass emotionaler Stress dieser Art im Gehirn Spuren hinterlässt, Liebesentzug also im wahrsten Sinne des Wortes für Narben sorgt.
Lebenslanger seelischer Ballast
Wenn Eltern ihr Kind mit Schweigen bestrafen, so werden sie über kurz oder lang seinen Willen brechen.
Denn ein Mensch möchte geliebt werden. Und das Kind lernt daraus, dass es nur dann geliebt wird, wenn es sich konform verhält, brav ist. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass es sich auf die positiven Gefühle seiner Eltern ihm gegenüber nicht verlassen kann, da es nicht dafür geliebt wird, wie es ist, sondern dafür, wie es sich verhält. Wenn sich diese Erfahrung wiederholt, wird das Kind darauf programmiert, sich für nicht liebenswert zu halten, der Liebe nicht würdig zu sein. Und dieses Gefühl wird es sein Leben lang als seelischen Ballast mit sich herumtragen.
All dies hat auch C. erfahren und es belastet ihn noch heute, denn die Seelische Gewalt, der er Ausgesetzt war und noch immer ist, findet in ihm scheinbar kein Ende.
Verbale Gewalt hinterlässt keine sichtbaren Spuren
Das Schlimme an der psychischen Gewalt ist auch, dass sie oft sehr viel später von der Umwelt wahrgenommen wird.
Sie hinterlässt keine sichtbaren Zeichen, sondern untergräbt schleichend das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl. Das hat oft noch im Erwachsenenalter schlimme Folgen. Kinder, die mit Liebesentzug klarkommen mussten, haben auch später in ihren Beziehungen zu anderen Menschen häufig Probleme damit.
Oft greifen sie selbst zu diesem Mittel, obwohl sie wissen, was es bewirken kann.
C. selbst hat dieses Martyrium durchlaufen, die ständigen Erniedrigungen und Demütigungen, durch seinen Vater und die Gleichgültigkeit seiner Mutter, haben große Wunden in seiner Seele hinterlassen, welche ihm noch heute ständig begleiten.
Seine unaufhörliche Suche nach Aufmerksamkeit, Liebe und Zuneigung, sind ein deutliches Zeichen, für seinen tatsächlichen Seelenzustand und es zeugt von der Qual die er verspürt, Es ist die Sucht, der Suche nach Anerkennung. Sucht ist dabei nicht einmal das falsche Wort, denn das Wort Sucht, leitet sich vom Begriff Suche ab und ist somit ein Synonym seines Lebens geworden, ein Synonym das deutlicher nicht sein kann.
Recht auf Liebe
Jedes Kind hat ein Recht auf Liebe, auch dann, wenn es Fehler macht. Man kann sein Verhalten kritisieren, sollte ihm aber immer signalisieren, dass es trotzdem geliebt und wertgeschätzt wird. Denn das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
Informationen über diese Buchreihe, auch auf den
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