Montag, 27. Mai 2013

die Psyche wird Unterschätzt


“Wie es in mir drin aussieht? Mmh, ich weiß nicht, so einsam, so leer. Ich vermisse einen Freund, ich vermisse mich selbst, meine Identität, ja auch dich Chris. Das Gefühl etwas zu sein, etwas Gutes. Etwas Normales etwas Menschliches. Das ist es was mir fehlt. Ich kann niemandem Vertrauen außer dir vielleicht noch, bin nichts wert, Niemand liebt mich, Niemand will mich haben!”
Seit ich diese Worte und noch viele andere Aussagen z.B. in der E-Mail von C. an mich las und später daran dachte, dass er an einer Borderline-Störung Erkrankt sein könnte, ist meine Interesse daran stetig gewachsen. Bei meiner Tätigkeit als Autor & Publizist, die mir viel Spaß macht, stoße ich auch immer wieder auf Menschen mit einer solchen Krankheit und ein Freund der selbst einen Borderline Erkrankten als Partner hatte berichtete mir viel darüber. Fragen wie: was sind Anzeichen für eine Borderline-Störung? Wie erkenne ich, dass ein Jugendlicher oder Erwachsener Borderline hat? Welche Ursachen gibt es dafür? haben sich dadurch bei mir ergeben.
Zunächst einmal mein Wissen darüber das Borderline eine psychische Störung ist, hatte mich zunächst sehr erschreckt im Fall von C. und ich fing an mich hierfür sehr zu Interessieren. Auch aus meiner Arbeit war ich ja schon über einiges im Bilde und fing an dieses Wissen wieder abzurufen, aber gleich vorweg es war im Falle von C. kein Borderline sondern eine Psychosomatische Erkrankung, die ihre Ursache in dem erlebten seiner Kindheit und frühen Jugend hatte und noch immer hat.
Auch bei Kindern und Jugendlichen treten psychische Störungen auf, diese können sich jedoch in ihrer Ausprägung und Symptomatik von den Störungen im Erwachsenenalter unterscheiden. Zwei wichtige Gruppen psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter sind in den Kapiteln zu Entwicklungsstörungen und Intelligenzminderung behandelt. In diesem Kapitel werden typische kinder- und jugendpsychiatrische Störungsbilder, die sich nicht als Störung der Entwicklung bestimmter Fertigkeiten oder Funktionen charakterisieren lassen, beschrieben.
Dabei ist zu bedenken, dass die Bedeutung einer Symptomatik als Störung immer vom jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes abhängt. So sind bspw. gelegentliche Alpträume im Vorschulalter ebenso normal wie Ängste und Unsicherheit in der frühen Pubertät. Zur Störung wird eine Problematik erst dann, wenn sie über das im entsprechenden Entwicklungsstadium Normale deutlich hinausgeht und zu Leid führt. Eine weitere Besonderheit der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) liegt darin, dass Eltern und Familie bzw. entsprechende Bezugspersonen (auch Lehrer) eine große Bedeutung haben.
Der 14-jährige Andreas wird in der Kinde und Jugendambulanz wegen ständiger disziplinarischer Probleme in der Schule vorgestellt. Er gehe in die dritte Klasse, könne nicht sitzen bleiben und laufe deshalb ständig in der Klasse herum. Er melde sich fast nie, rufe häufig dazwischen und müsse auch wegen seines Schwätzens dauernd ermahnt werden. In den Pausen komme es immer wieder zu Prügeleien. Zu Hause sei Andreas ebenfalls extrem anstrengend, die Hausaufgaben würden sich unter großen Streitereien meist über den ganzen Nachmittag hinziehen. Er habe auch viele Konflikte mit seinen Geschwistern, weil er ihnen auf die Nerven gehe und immer wieder Dinge von ihnen zerstöre, teils aus Versehen, teils im Impuls mit Absicht.
Die ADHS ist gekennzeichnet durch eine extreme motorische (bewegungsbezogene) Unruhe und Getriebenheit, die in vielen Situationen auftritt, z.B. in Form von herumlaufen, reden, lärmen und zappeln. Daneben zeigen die Betroffenen eine gestörte Aufmerksamkeit in Form von extrem leichter Ablenkbarkeit, geringer Konzentrationsfähigkeit und häufigem Wechsel der Tätigkeit. Dazu kommt eine gestörte Impulskontrolle, d.h., die Kinder können sich in jeder Hinsicht schwer „zusammenreißen“ und haben wenig Frustrationstoleranz. Die Symptome beginnen in den ersten fünf Lebensjahren und überdauern zeitlich, bei ca. einem Drittel besteht die Störung auch noch im Erwachsenenalter. Durch die Unaufmerksamkeit kommt es relativ häufig zu Gefährdungen und Unfällen, außerdem bekommen die betroffenen Kinder häufig soziale Probleme, da sie in Konflikte mit Mitschülern, Lehrern etc. geraten. Im Jugendalter verringert sich meistens die motorische Unruhe, während die erhöhte Impulsivität und verringerte Aufmerksamkeit bestehen bleiben, so dass das Risiko für Drogenkonsum, Verkehrsunfälle und Delinquenz erhöht ist.
Etwa 3-5% aller Kinder sind betroffen, Jungen etwa 3 – 8 mal so häufig wie Mädchen. Die Herkunft der Störung ist nicht ganz klar, neben genetischen Faktoren spielen möglicherweise Geburtskomplikationen und Veränderungen in der Familie (Scheidung) wechsel des sozialen Umfeldes, aber auch Traumatisierte Erlebnisse, die entweder noch nicht abgeschlossen oder überhaupt erkannt waren,Therapiert wird die ADHS zum einen durch einen konsequenten Erziehungsstil und entsprechende pädagogische Maßnahmen. Daneben kommt häufig als Medikament Methylphenidat (Ritalin®) zur Anwendung, dies wird aktuell als effektivste Behandlungsmethode betrachtet.
Störung des Sozialverhaltens
Diese Störung ist ein andauerndes Muster von dissozialem, aggressivem oder aufsässigem Verhalten. Die betroffenen Kinder streiten z.B. häufig, auch mit massiven Wutausbrüchen, treten ihren Bezugspersonen gegenüber aggressiv auf, lügen und halten sich nicht an Versprechungen oder sind grausam gegenüber anderen Kindern oder Tieren. Es kann zur absichtlichen Zerstörung fremden Eigentums, absichtlichem Feuerlegen, Diebstahl und disziplinarischen Problemen in der Schule einschließlich Schuleschwänzen kommen. Die Störung des Sozialverhaltens tritt häufig gemeinsam mit anderen psychischen Störungen des Kindes- und Jugendalters wie ADHS, Entwicklungsstörungen oder Drogenmissbrauch auf.
Betroffen sind zwischen 2 und 10% aller Kinder, darunter vorwiegend Jungen, wobei sich die Störung häufig über viele Jahre sehr stabil zeigt. Ein wichtiges Ziel der Therapie besteht darin, Delinquenz, also dem Begehen strafbarer Handlungen und der darauf häufig folgenden Gefängniskarriere vorzubeugen. Therapeutisch können Einzeltherapien der Kinder oder Familientherapien durchgeführt werden, daneben spielen kommunale Maßnahmen (z.B. Jugendarbeit in „Problemvierteln“) eine Rolle.
Die Stabilität der Störung im Sozialverhalten ist sehr hoch. Besonders, wenn die Kinder schon im jungen Alter aggressive Auffälligkeiten zeigen, ist davon auszugehen, dass 40% dieser Grundschüler noch Störungen des Sozialverhaltens im Erwachsenenalter zeigen. In einzelnen Fällen wie beim Vorliegen schwerer impulsiver aggressiver Verhaltensweisen können Medikamente wie z.B. Lithium oder Carbamazepin mit Erfolg eingesetzt werden. Psychosoziale Präventionsmaßnahmen sind zweifellos die entscheidenden Kriterien zur Verbesserung des Schicksals der Kinder.
Angststörungen
Ängste sind v.a. im Kindesalter ein relativ häufiges Phänomen. Viele Kinder aber auch Jugendliche zeigen Angst vor bestimmten Situationen oder Objekten (sog. „phobische Ängste“), z.B. vor Gewittern, vor Hunden oder vor der Dunkelheit. Bei 2 – 9% aller Kinder und Jugendlichen sind die phobischen Ängste so stark ausgeprägt, dass die Diagnose einer Phobie gestellt werden kann. Neben den phobischen Ängsten ist die Trennungsangst die wichtigste Angststörung des Kindes- und Jugendalters, unter der 3 – 5% aller Betroffenen leiden. Die betroffenen Kinder und Jugendlichen weigern sich, ihre Bezugspersonen zu verlassen bzw. leiden unter großen Ängsten, wenn sie dies doch tun. Das führt in der Regel zum Verweigern des Schulbesuches. Kinder und Jugendliche mit Trennungsangst sind häufig schon im Kleinkindalter sehr anhänglich und gehen z.B. nicht gerne in den Kindergarten. Schwere Trennungsängste werden häufig ausgelöst durch das Erleben eines Verlassenseins (z.B. Verlorengehen im Kaufhaus, ) oder durch schwierige familiäre Situationen (z.B. drohende Trennung der Eltern oder das Empfinden keine Zuneigung zu erhalten oder der angst des Verlassen werden.). Während bei der Trennungsangst die Angst vor der Trennung von den Eltern im Vordergrund steht, haben bei der davon abzugrenzenden Schulangst die Kinder vor der Schule Angst. Sie trennen sich zwar möglicherweise leicht, gehen dann jedoch eher nicht in die Schule. Diese Angststörungen können leicht verwechselt werden, da u.U. bei beiden zunächst die Verweigerung des Schulbesuchs auffällt.
Psychosen
Schizophrene und andere Psychosen beginnen relativ selten (in ca. 4% aller Fälle) schon vor dem 15. Lebensjahr, nur etwa 1% beginnen schon vor dem 10. Lebensjahr. Je geringer das Ersterkrankungsalter ist, desto schwerer sind Psychosen zu erkennen, da sie sich im klinischen Bild stark von den Psychosen erwachsener Patienten unterscheiden. Während im Erwachsenenalter häufig eine „produktive“ psychotische Symptomatik mit Wahn und Halluzinationen auftritt, treten im jüngeren Alter häufiger auch sog. „hebephrene“ Verlaufsformen sowie sogenannte Prodrome auf. Unter Prodromen versteht man eine Symptomatik, die vielen akuten Psychosen – manchmal über Jahre – vorausgeht und sich durch Probleme wir Konzentrationsstörungen, Misstrauen, Leistungsknicks in der Schule, Ängste und sozialem Rückzug äußern. Als „hebephren“ wird eine Psychose bezeichnet, wenn sie sich v.a. darin äußert, dass der Betroffene immer weniger emotionale Teilnahme und wenig Antrieb zeigt, und in der Stimmung zunehmend flach und „läppisch“ wird.
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