Freitag, 15. März 2013


Mein Vater ist im Knast “Aktualisiert”


Aktualisiert 
Eltern zu haben, die im Gefängnis sind, ist etwas, wofür viele Kinder sich schämen, was sie verunsichert und wofür sie sich schlimmstenfalls auch noch verantwortlich fühlen.
Den Vater, der Vorbild sein sollte, von dem sie lernen, den sie bewundern wollen, erleben sie als schwach, fehlbar und von der Gesellschaft geächtet. Fiona, Jonathan und Daniel sind bereit, offen über ihr Leben mit ihren kriminellen Vätern zu sprechen. Sie wollen sich nicht verstecken und möchten nicht verurteilt werden dafür, dass ihre Väter kriminell geworden sind.
“Seit 15 Jahren warten wir und nichts verändert sich”. Jonathan (17) und Daniel (15) verbringen die gesamte Kindheit ohne ihren Vater. Denn der sitzt in einem Bielefelder Gefängnis. Bis zu seiner Entlassung müssen die Brüder noch mindestens zwei Jahre warten. Und ob er sich nach den vielen Knastjahren in Freiheit zurechtfinden wird, können die beiden nur hoffen, aber sie zweifeln daran. Immer wieder hatte es kurze Phasen gegeben, in denen der Familienvater bei Daniel und Jonathan sein konnte. Vorzeitig entlassen, wegen guter Führung. Doch dann hatte er wieder in großem Stil gestohlen und musste zurück ins Gefängnis.
Daniel und Jonathan erleben schmerzhaft, dass die Strafe ihres Vaters auch ihre eigene ist. Ihr Vater ist eingesperrt, und die beiden Brüder sind ausgesperrt. Sie gehören nie dazu, werden von Mitschülern nicht eingeladen, fühlen sich oft ausgegrenzt und wie mitbestraft. Das kennen sie schon so lange und haben sich trotzdem bis heute nicht daran gewöhnt: An die ständige Sehnsucht nach ihrem Vater. An beklemmende Sonntage im anonymen Besucherraum, das Abtasten durch die Wärter, Mobbing in der Schule. Was den beiden bleibt, ist die Hoffnung, dass dieser Albtraum eines Tages endlich ein Ende hat und ihr Vater nie wieder eine Straftat begeht.
Die 19-jährige Fiona hat Ähnliches durchgemacht. Sieben Jahre lang saß ihr Vater in einem Gefängnis in Bochum. Er hatte geklaut, um Drogen zu kaufen. Seit zwei Jahren ist er wieder draußen. Fiona und ihre Mutter haben immer zu ihm gestanden, auf ihn gewartet und an ihn geglaubt: “Ich habe ihn trotz allem lieb, er ist doch mein Papa”, sagt Fiona, auch wenn er sie oft enttäuscht hat. Denn auch Fionas Vater musste mit kurzen Unterbrechungen immer wieder ins Gefängnis. Trotz aller Versprechungen gegenüber seiner Frau und seinem Kind ist er immer wieder straffällig geworden, und Fiona musste sehen, wie sie ohne ihn zurechtkam.
Sicher konnte sie sich nie fühlen, wenn der Vater gerade nicht im Gefängnis war. Wie zuverlässig ist jemand, der immer wieder in die Beschaffungskriminalität abrutscht? Wie lange ist er dieses Mal draußen? Droht der Familie noch einmal diese bleierne Zeit, in der der Vater im Gefängnis sitzt? Fiona hat Angst davor. Ihr Vater versichert ihr zwar, er werde nie wieder Straftaten begehen, aber das hat er früher auch schon immer gesagt. Seine Tochter vertraut ihm nicht mehr, obwohl sie ihn liebt und eigentlich an ihn glauben will.
Es sind Szenen eines bedrückend beeindruckenden Films, die hier sehr deutlich zeigen wie Kinder darunter Leiden, wenn der Vater sich nicht um sie kümmern kann, weil er sich im Vollzug einer Freiheitsstrafe befindet.
Wer Straftaten begeht, muss mit Strafe rechnen – so ist das im Rechtsstaat. Doch wenn Väter ins Gefängnis kommen, dann trifft diese Strafe die ganze Familie. Partner und Kinder stehen plötzlich allein da. Was bleibt, sind Telefonate und Besuche hinter Gittern.
Träume vom glücklichen Familienleben
Damit inhaftierte Väter und ihre Kinder auch ungestört Zeit verbringen können, bieten einige Justizvollzugsanstalten in Deutschland gemeinsame Nachmittage an. In Bielefeld und in Bruchsal etwa können Väter mit ihren Töchtern oder Söhnen zusätzlich zur normalen Besuchszeit einmal im Monat zwei Stunden lang toben, kuscheln, basteln und frisch gebackene Waffeln naschen.
Das stärkt die Bindung und hilft vor allem älteren Kindern, mit der Wahrheit umzugehen. Denn viele sind verunsichert und wissen nicht, wie sie anderen erklären, dass ihr Papa im Gefängnis sitzt und sie ihn trotzdem lieb haben.
Ein neues Modellprojekt in Baden-Württemberg, der ehemalige Landesjustizminister Ulrich Goll nannte das “Eltern-Kind-Projekt Chance” bundesweit einzigartig. Kinder, deren Vater (oder Mutter) im Gefängnis sitzt, werden durch Sozialarbeiter oder Sozialpädagogen betreut. Idealerweise ab dem Tag der Inhaftierung über die gesamte Haftzeit hinweg bis zur Wiedereingliederung nach der Entlassung. Sie sollen dem Kind helfen, die lange Trennung zu überstehen, und es beim Besuch im Gefängnis begleiten. Sie sollen verhindern, dass das Kind traumatisiert oder anderweitig in seiner Entwicklung beeinträchtigt wird. Eine schwierige Phase ist auch die Zeit nach der Entlassung, denn während der Vater (oder die Mutter) im Gefängnis war, haben sich die Rollen innerhalb der Familie verändert. Nach der Entlassung sortiert sich die Familienstruktur neu.
Träger des Projekts ist der Verein “Projekt Chance”, dessen Vorsitzender Justizminister Goll ist. Finanziert wird das Projekt von der Baden-Württemberg-Stiftung mit einer halben Million Euro. Umgesetzt wird es vom Netzwerk Straffälligenhilfe, bestehend aus dem badischen Landesverband für soziale Rechtspflege, der Bewährungs- und Straffälligenhilfe Württemberg sowie dem Paritätischen Landesverband Baden-Württemberg.
In das baden-württembergische Projekt sollen die Jugendämter einbezogen werden. Sie oder die Sozialdienste in den Gefängnissen sollen die Familien auf das neue Hilfsangebot aufmerksam machen. Dass Bedarf besteht, zeigt eine Umfrage unter allen neu inhaftierten und gerade entlassenen Häftlingen in Baden-Württemberg zwischen 15. November 2010 und 15. Januar 2011: Von den mehr als 2000 Befragten hat jeder Vierte minderjährige Kinder. “Etwa die Hälfte bezieht Jugendhilfe, der Rest ist unversorgt”, berichtet Geschäftsführer Horst Belz vom badischen Landesverband für soziale Rechtspflege.
Der Verein Projekt Chance betreibt seit Herbst 2003 ein Erziehungsprojekt für jugendliche Straftäter als Alternative zum herkömmlichen Jugendstrafvollzug und seit Herbst 2005 ein Nachsorgeprojekt für Haftentlassene, das bei der sozialen Integration hilft. Jetzt kommt ein neues Eltern-Kind-Projekt hinzu. Baden-Württemberg hat 17 Justizvollzugsanstalten mit 24 Außenstellen, zwei Jugendarrestanstalten, ein Justizvollzugskrankenhaus, eine sozialtherapeutische Anstalt mit Außenstelle sowie eine Justizvollzugsschule – insgesamt 8212 Haftplätze. Mehr als doppelt so viele Menschen werden im Laufe eines Jahres inhaftiert (2009: 17 298 Inhaftierte).
Schon 2011 hatte ich auf dieses Thema verwiesen, nun wird es im ZDF am 23.03. 2013 um 17.45 Uhr im ZDF beleuchtet.
An dieser Produktion, war ich als Berater beteiligt und freue mich, das es in den Medien nun auch Thematisiert wird.
Informationen über diese Buchreihe, auch auf den Facebook Seiten, sowie Twitter. Die Buchreihe ist überall im Handel und hier. erhältlich.

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