Samstag, 23. Februar 2013


Ängste oder Woher kommt die Angst?



Es gibt wahrscheinlich kaum eine Frage, die Menschen mehr beschäftigt, ängstigt und quält als die Frage: was denken die anderen von mir? Wie komme ich an?
Die Angst vor Ablehnung ist vermutlich die häufigste Angst von Menschen. Kaum jemand ist dagegen gefeit.
Solange uns diese Angst nur gelegentlich überfällt, dann kann man damit leben, ohne dass sie uns allzu sehr einschränkt und behindert.
Haben wir jedoch eine übergroße Empfindlichkeit gegenüber Ablehnung, dann fühlen wir uns nicht nur häufig verletzt und deprimiert, wir sind auch extrem schüchtern, gehemmt und angepasst.
Und wir meiden enge Beziehungen, sei es ob diese beruflicher, freundschaftlicher, partnerschaftlicher, nachbarschaftlicher oder intimer Natur sind. Die Folge: wir ziehen uns von anderen zurück, isolieren uns sozial und vereinsamen.
Die Angst vor Ablehnung ist der größte Liebeskiller, der größte Partnerschaftskiller, der größte Sexkiller, der größte Erfolgskiller, der größte Lebensfreudekiller.
Deshalb ist es wichtig, dass diese Angst nicht unser Leben dominiert.
In den folgenden schauen wir uns an, was man unter der Angst vor Ablehnung versteht, warum Menschen Angst haben, abgelehnt zu werden und was man tun kann, um die Angst vor Ablehnung zu überwinden.
Versagensängste kennt fast jeder. Kaum jemand ist dagegen gefeit. Schon Schulkinder nennen als Antwort auf die Frage, wovor sie am meisten Angst haben, die Angst vor dem Versagen.
Warum haben wir Angst davor, einen Fehler zu machen und zu scheitern? Was ist so schlimm daran, durch eine Prüfung zu fallen, im Bett mal nicht seinen Mann zu stehen oder den beruflichen Anforderungen nicht immer zu genügen?
Natürlich hat es Konsequenzen, kann es Nachteile haben, wenn wir scheitern. Keine Frage. Sind diese Nachteile jedoch so unheilvoll, dass sie eine panische Angst rechtfertigen, eine Versagensangst, die in vielen Fällen erst recht dazu führt, dass wir versagen?
Könnten wir nicht mit dem Misserfolg leben, würden wir diesen nicht überleben? Wäre das unser Ende?
Nein, bis auf wenige Ausnahmen, in denen uns ein Fehltritt tatsächlich das Leben kosten kann, – etwa im Gebirge -, ist ein Scheitern im Alltag in der Regel nicht lebensgefährlich.
Trotzdem fühlen und verhalten wir uns so, als hinge unser Leben vom Erfolg ab. In unserer Vorstellung ist ein Misserfolg oder Scheitern gleichbedeutend mit einem Todesurteil, mit der Vernichtung unserer Person.
Woher kommt diese übersteigerte Angst, nicht zu genügen und zu scheitern? Was können wir tun, um uns nicht von der Angst vor einem Misserfolg oder einer Niederlage lähmen zu lassen? Davon handeln die folgenden Beiträge zur Versagensangst.
Die Angst zu versagen hat vielerlei negative Auswirkungen auf unser Denken, Fühlen, unser körperliches Befinden und Handeln. Und sie wirkt sich negativ auf unseren Beruf und unsere Beziehungen aus.
Gefühle
Wir fühlen uns ständig unter Druck und Erfolgszwang, sind nervös und leicht reizbar, wir ärgern uns über uns selbst, dass wir Angst haben und nicht selbstbewusst genug sind, lockerer mit den Anforderungen umgehen zu können, unser Selbstwertgefühl leidet und wir sind deprimiert, wenn wir merken, dass wir unsere Angst nicht in den Griff bekommen.
Denken
Denkblockaden, Konzentrations-, Aufmerksamkeits- oder Merkfähigkeitsstörungen.
Wir grübeln über die negativen Konsequenzen eines Scheiterns nach, ja in unserer Vorstellung sehen wir uns vielleicht sogar versagen und stellen uns lebhaft vor, wie wir uns blamieren.
Unsere Gedanken kreisen darum,
dass wir mit der Aufgabe überfordert sind,
dass wir die Erwartungen der anderen nicht erfüllen können und andere enttäuschen werden,
dass wir etwas falsch machen und wir im Falle eines Misserfolgs als Blindgänger, Flasche, Nichtsnutz, Niete, Schwächling und Versager dastehen.
Körperliche Reaktionen
Aufgrund unserer ängstlichen Gedanken und Gefühle sind wir häufig körperlich angespannt und verkrampft, innerlich unruhig, haben vielleicht Ein- und Durchschlafstörungen und es entwickeln sich körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen (bei Kindern ist das das häufigste Leiden), Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit oder Heißhungerattacken und Herzbeschwerden.
Verhalten
Wie bei jeder Angst, neigt man auch bei der Versagensangst dazu, diejenigen Situationen zu meiden, vor denen man Angst hat. Das ist verständlich.
Im Falle der Versagensangst kann das dazu führen,
- dass wir uns vor Prüfungen oder Vorstellungsgesprächen drücken
- wir die eine oder andere Stelle nicht antreten oder das Handtuch werfen, weil wir befürchten, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein.
- wir die Möglichkeiten nicht ausschöpfen, die sich uns bieten, und keinen Gebrauch von den Begabungen und Talenten machen, die in uns stecken.
- wir vieles nicht ausprobieren oder es erst gar nicht versuchen und uns so einreden können: wenn wir es versucht hätten, wenn wir gelernt hätten, dann hätten wir ja vielleicht eine Chance gehabt. D.h. wir beugen einem möglichen Misserfolg vor, indem wir nichts tun und uns so hinterher einreden können, wir hätten es ja vielleicht geschafft. Ein Selbstbetrug, den wir zu unserem Schutz aufbauen, der uns aber letztlich nur Nachteile bringt.
Die Angst zu versagen, kann auch dazu führen, dass wir einen besonders großen Ehrgeiz entwickeln und alles perfekt machen wollen. Das Verlangen, alles perfekt machen zu müssen, soll uns davor bewahren, Fehler zu machen, für die uns die anderen ablehnen könnten. Durch unsere hohen Ansprüche an uns selbst, setzen wir uns jedoch unter einen so enormen Erfolgsdruck, dass wir noch mehr Angst haben, zu versagen. Dies kann dazu führen, dass wir uns überfordern und riskieren, an Burnout zu erkranken.
Um dem Druck standhalten zu können und unsere ständige Anspannung zu reduzieren, greifen wir vielleicht zu abhängig machenden Substanzen wie Alkohol oder Nikotin. Wir greifen zu Viagra und Co., nehmen Beruhigungsmittel oder Aufputschmittel oder beides abwechselnd.
Auf Dauer schwächen wir dadurch die Leistungsfähigkeit unseres Geistes und Körpers. Es fällt uns immer schwerer, mit den Anforderungen umzugehen – was die Angst zu versagen noch mehr schürt.
In bestimmten Situationen blockiert uns die Versagensangst so sehr, dass wir vielleicht erst recht versagen, etwa bei Prüfungen, bei Vorstellungsgesprächen oder wenn wir eine Rede halten sollen.
Aufgrund der übersteigerten Angst können wir unser Wissen und das Gelernte nicht abrufen und sind blockiert.
Und natürlich hat die Versagensangst auch Auswirkungen auf unsere Beziehungen und die Partnerschaft. Wenn wir mit der Angst, nicht anzukommen in das erste Date gehen, dann sind wir total verunsichert und verkrampft und zeigen uns dann sicher nicht von unserer besten Seite. Wenn wir als Mann Angst haben, im Bett zu versagen und uns zu blamieren, dann meiden wir enge Beziehungen bzw. brechen diese ab, wenn es zur Sache kommt. Die Angst, im Bett zu versagen, ist der Nummer 1 Sexkiller. Wenn wir starke Angst haben, uns im Bett zu blamieren, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass genau das eintritt.
Des Mannes bestes Stück reagiert nämlich sehr empfindlich auf Versagensängste, Leistungsdruck und Misserfolgsangst. Diese sind die häufigsten Liebestöter.
Die Angst zu versagen ist erlernt. Aufgrund bestimmter Erfahrungen in der Kindheit entwickeln wir ein geringes Selbstwertgefühl und damit einhergehend vielleicht die Forderung, perfekt sein zu müssen.
Als Folge davon, dass wir uns selbst nicht annehmen, entsteht ein unangemessen starkes Bedürfnis nach Anerkennung. Dieses Verlangen nach Anerkennung führt zu der Angst vor Ablehnung und damit zur Versagensangst.
D.h. hinter der Angst, zu versagen, steckt die Angst vor Ablehnung. Schauen wir uns an, woher die Angst vor Ablehnung rührt.
Die Angst vor Ablehnung entwickelt sich in den ersten Lebensjahren. In dieser Zeit lernen die meisten von uns 2 wichtige Lektionen:
Lektion 1: Ich werde nur akzeptiert, wenn ich perfekt funktioniere.
Lektion 2: Ich bin nur liebenswert, wenn ich eine gute Leistung bringe.
Wenn wir von unseren Eltern nur angenommen und gelobt werden, wenn wir perfekt funktionieren, und sie uns ablehnen, wenn wir Fehler machen, dann lernen wir:
Ich muss gut sein, um Zuwendung zu bekommen. Wenn die Eltern mich nicht mögen, wenn ich Fehler mache, dann kann ich mich selbst auch nicht mögen.
Dabei reicht es schon, dass wir als Kinder den Eindruck haben, nicht um unserer Selbst willen gemocht zu werden. Es müssen keine Worte fallen und wir müssen nicht geschlagen werden, um das Gefühl zu haben, abgelehnt zu werden. Schon ein strafender, tadelnder oder enttäuschter Blick reichte vielleicht, um uns in Lebensgefahr zu sehen.
Ingeborg, eine Betroffene, erzählt:
Ich habe als Kind nur positive Zuwendung bekommen, wenn ich “gut funktionierte”. Ich hörte von meiner Mutter immer: “Ich wünsch mir, dass ich stolz auf meine Tochter sein kann”. Erfüllte ich nicht ihre Erwartungen, bekam ich zu hören: “Du enttäuschst mich. Ich hätte mehr von dir erwartet”.
Das hat mir damals unheimlich Angst gemacht. Als Kind nimmt man solche Worte todernst. Heute habe ich totale Angst vor Ablehnung, wenn mal was schief geht oder ich irgendwas nicht richtig mache.
Das ist doch zu blöd. Ich weiß ja, dass die Welt nicht untergeht, wenn ich etwas falsch mache. Aber ich habe sofort dieses Gefühl, als ob dem so wäre.
Warum nehmen wir uns als Kinder solche Worte so zu Herzen und warum reagieren wir als Erwachsene immer noch so verängstigt?
Der Grund ist: Wir sind als Kinder völlig abhängig von der Zuwendung und Fürsorge unserer Eltern. Ohne sie können wir nicht überleben.
Eine Ablehnung empfinden wir als Kinder immer als ein im Stich-Gelassen- und Verstoßen-Werden. Und das kommt für ein dreijähriges Kind einem Todesurteil gleich. Haben wir nicht das Grundvertrauen, dass man für uns sorgen wird, dann entwickeln wir eine große Angst vor Ablehnung.
Als Erwachsene hängt unser Leben nicht mehr vom Urteil anderer Menschen ab. Dennoch empfinden wir bei Ablehnung reflexartig so, wie das drei- oder fünfjährige Kind, das seinen Eltern auf Gedeih und Verderben ausgeliefert war.
Der Grund ist: Wir tragen quasi immer noch den kleinen verängstigten Jungen oder das kleine verängstigte Mädchen in uns, die eine Ablehnung als existenzielle Bedrohung empfinden.
Eine andere Lektion in unserer Kindheit und Jugendzeit bestand vielleicht darin, uns kaum zu loben und uns stattdessen auf sehr persönliche und verletzende Weise auf unsere Fehler und Schwächen aufmerksam zu machen. Wir mussten uns vielleicht häufig anhören:
Du taugst nichts.
Aus dir wird nie etwas werden.
Du bist ein Tollpatsch.
Wegen dir muss man sich schämen.
Du bist zu nichts zu gebrauchen.
Und so haben wir gelernt, uns für unfähig anzusehen, für Fehler zu verurteilen und abzulehnen. Ja, wir können sogar gelernt haben, uns für unsere Versagensangst zu verurteilen – nämlich dann, wenn uns die Eltern immer wieder erzählten, dass wir ein Angsthase seien oder keine Angst zu haben bräuchten.
Vielleicht haben unsere Eltern auch hohe Erwartungen in uns gesetzt und wir fühlten uns häufig überfordert, sodass wir nicht die Erfahrung machen konnten, dass wir fähig sind und Aufgaben erfolgreich abschließen können. Wir haben die Einstellung entwickelt:
“Ich kann mich anstrengen, wie ich will, ich schaffe es nicht”. Wir haben gelernt, an unseren Fähigkeiten zu zweifeln, und haben kein Selbstvertrauen entwickelt.
Wir können uns die Versagensangst aber auch abgeschaut haben. Eltern, die selbst unter großer Versagensangst leiden, können uns natürlich keine positiven Vorbilder sein und uns zeigen, wie man Selbstvertrauen entwickelt und mit Misserfolgen umgeht.
Ängste tun wir unseren Kindern an, wenn wir Ihnen nicht die Aufmerksamkeit, den Respekt und die Liebe geben, die wir selbst erfahren wollen.
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